Aber er führte den Plan nicht aus. Ihm fehlte die Tatkraft. Er besaß nicht den Mut, dem Unglück entschlossen entgegenzutreten. Er wußte nicht, daß das Unglück eines jener Raubtiere ist, die keinen Angriff wagen, wenn man ihnen furchtlos ins Auge sieht.
Statt sich durch rasches Zugreifen Gewißheit zu verschaffen, fing er an zu grübeln, zu kombinieren, wie es seine Art war.
Er rief sich jene Szene draußen auf der Waldbank ins Gedächtnis zurück, als Bindegerst ihn so unvermutet wegen des Sparkassenbuchs um Verzeihung gebeten hatte: »Vielleicht kimmt doch emal e Gelegenheit, wo ich mich erkenntlich zeige kann! Vielleicht!«
Was hatte der Vater damit gemeint? Hatte er Adolf damals schon die Augen öffnen wollen? War das eine Andeutung gewesen, die er nicht verstanden hatte?
Er hatte ja auch im Sterben vom Sparkassenbuch zu lallen begonnen.
Sollte die Enthüllung der versprochene Dank sein?
Und wie ihm Bindegerst in der letzten Zeit ausgewichen war! Und sein Vorwurf »des war net gut, daß De da enuffgezoge bist!« Hatte der Alte deutlicher sein können? Und das Alles hatte er überhört.
»Ich bin blind«, sagte sich Adolf. »Wie die Kinner, wann se Blindekuh spiele, laaf ich mit verbunnene Aage erum, unn dapp nach rechts, unn dapp nach links, unn erwisch nix, sonnern reiß merr nor an de Bäum unn Hecke die Händ blutig! Ich bin dümmer wie die Bolizei erlaabt, unn grad uff #dem# Gebiet erlaabt doch die Bolizei mehr wie uff jeddem annern. Ich bin e Kamel, so groß, daß es in der ganze Wüst' kaan Blatz hätt'. Wie der Verstand ausgedeilt worn is, muß ich geschlafe hawwe. Awwer ich glaab als, der Verstand is iwwerhaapts net #ausgedeilt# worn, sonnern der liewe Gott hat'n unner die Mensche geschmisse, wie die reiche Leut als Klaageld unner die Buwe schmeiße, unn die Frechste hawwe am meiste erwischt.«
Konnte sich der alte Mann nicht überhaupt getäuscht haben? Wenn seine Anklage sich nur auf leeren Verdacht gründete? Einen Beweis hatte er ja nicht gegeben.
Aber war Katharinas verändertes Wesen nicht Beweis genug? Für wen zierte und schmückte sie sich? Und parfümierte sich, daß es kaum auszuhalten war? Und behandelte ihn mit offenkundiger Verachtung? Mit der Verachtung, die dem Manne, der sich betrügen läßt, nur allzu reichlich gebührt?
Adolf wußte nicht, was er glauben sollte. Denn er #wollte# nicht
glauben. Ihm war zumute wie einem schuldigen Verbrecher vor der
Urteilsverkündung. Er bebte: gibt es kein Mittel, gar kein Mittel, die
Entscheidung hinauszuzögern?