Mister Galgenstrick hob zum Abschiedsgruß seine linke Hand, um sie über die Brust zu legen. Diese Bewegung aber löste bei ihm einen heftigen Hustenanfall, begleitet von Blutspucken, aus, so daß die Krankenschwester ihn stützen mußte. Sie reichte ihm Kochsalz zu schlürfen, er lehnte es aber mit einer halb traurigen, halb trotzigen Kopfbewegung ab.

Ich eilte nach Hause, um meine stenographischen Aufzeichnungen in Reinschrift zu übertragen. Die ganze Nacht hindurch schrieb ich, und wenn ich »Galgenstricks« Erzählungen vielleicht stellenweise nicht ganz wortgetreu wiedergegeben habe, so liegt das in erster Linie an dem närrischen englischen Kauderwelsch, das er sprach.

Als ich am nächsten Mittag das Lazarett wieder besuchte, mahnte mich auf dem Korridor die Krankenschwester, unseren Patienten nicht zu überanstrengen.

»Er darf nicht so viel reden. Es greift ihn zu sehr an!«

Ich versprach, nicht länger als eine Stunde zu bleiben.

Um dem Kranken eine Freude zu machen, hatte ich ihm einige Photographien indischer Landschaften und Gebäude mitgebracht, die ich aus Büchern meiner Bibliothek herausgerissen hatte. Er betrachtete die Bilder lange schweigend, bat mich dann durch eine Geste, sie unter sein Kopfkissen zu legen.

Ich glaube, ich bin durch dieses kleine Geschenk sehr in seiner Achtung und Neigung gestiegen. Wenigstens ließ er sich diesmal nicht lange bitten, mir zu erzählen, deutete vielmehr gleich auf meine weißen Notizblätter und den wohlgespitzten Bleistift, gab der Krankenschwester ein Zeichen, sich zu entfernen, und begann:


In den nächsten zwei Tagen nach dem Zusammentreffen mit Jim Boughsleigh stellten sich einige Änderungen im gewöhnten Leben Bombays ein. Man sah mehr Soldaten als sonst auf den Straßen, besonders viel mohammedanische Truppen. Vor dem Klubgebäude der Deutschen standen bei Tag und Nacht Wachen, und kein Deutscher konnte dieses Haus verlassen, ohne daß ihm ein Wächter gefolgt wäre.

Es konnte sich dabei übrigens nur um ältere Männer und Frauen handeln, denn die jungen Männer waren alle eingesperrt worden. Besonders scharf waren die Wachen am Hafen. Niemand durfte herein oder hinaus, ohne daß er kontrolliert worden wäre. Mein Freund Lapalogi verdiente in jenen Tagen ein Vermögen mit dem Ausstellen falscher Pässe.