Da lachten sie und sagten, wir hätten keine Kultur.
Ich habe das Wort »Kultur« noch gar oft gehört und gelesen, aber ich bin mir trotz angestrengten Grübelns nicht klar geworden, was Kultur eigentlich ist? Kultur ist, wenn man Schulen baut, und Kultur ist, wenn man Kanonen baut. Kultur ist, wenn man den Frieden preist, und Kultur ist, wenn man den Krieg besingt. Kultur ist, wenn man die Armen speist, und Kultur ist, wenn man den noch Ärmeren ganze Länder raubt. Kultur ist, wenn man seine Religion ehrt, und Kultur ist, wenn man andere ihrer Religion abtrünnig macht.
Ich weiß nicht, was Kultur ist, aber ich bin stolz, wenn man mir sagt, ich hätte keine. Obwohl ich andererseits sage: wenn die Engländer Kultur haben, dann haben auch wir Hindus welche!
Ich glaube, Kultur ist im Grunde nur eine der Ausreden, um welche die Weißen nie verlegen sind, wenn es gilt, für häßliche Dinge einen schönen Namen zu finden.
Jim Boughsleigh hatte mir versichert, Ägypten sei ein wunderschönes Land, aber ich merkte nichts davon. Ich fand, es sei eine sandige Wüste, in der es nachts so kalt war, daß ich bitterlich fror.
Und auch das erste Erlebnis, das wir dort hatten, war alles andere eher als wunderschön.
Wir wurden nämlich aus den Zelten, in denen man uns untergebracht hatte, herausgeholt, um der Hinrichtung der gefesselten Mohammedaner beizuwohnen. Man stellte sie auf einen Sandhügel und die Engländer schossen auf sie, bis keiner mehr lebte.
Der Alte war einer der ersten, die umfielen. Er krümmte sich zusammen, wie eine ersaufende Ratte, dann streckte er sich in einem kurzen Krampf und blieb so liegen.
Die Mohammedaner murmelten Gebete, während man ihre Brüder erschoß. Vielleicht war es auch etwas anderes, was sie murmelten.
»Bleiben wir in Ägypten?« frug ich den Offizier, der uns in unsere Zelte zurückführte.