Er lief ein paarmal hin und her und lachte in ironischer Wut: »Na, das Fragen wird dir in Frankreich schon vergehen!« Und blieb so dicht vor mir stehen, als ob er mir die Nase zum Abbeißen anbieten wollte, und knurrte: »Ich sehe, du taugst doch nicht zum Sergeanten! — Scher' dich zum Teufel!«
So blieb ich wenigstens vor der Sünde bewahrt, mich über einen Brahmanen zu erheben.
Als ich wieder in unserem Zelte war, warf ich mich nieder und dankte Schiwa. Ich betete: »Beschütze mich in Frankreich und hilf mir, die deutschen Dämonen vernichten! Und wenn du mir gnädig sein willst, so lasse für jeden Deutschen, den ich töte, noch zwei Engländer umkommen! Lasse mich heil in meine Heimat zurückkehren! Wenn du aber meinen Tod beschlossen hast, so lasse mich auf dem Schlachtfeld sterben, lasse mich nicht in die Hände der deutschen Dämonen fallen, welche uns Hindus schlachten und verzehren! Wenn du aber auch dieses beschlossen hast, so mache, daß mein Fleisch giftig sei, damit der deutsche Dämon, der mich zum Frühstück frißt, qualvoll verenden muß! Lässest du mich aber leben, so will ich nach Benares zum heiligen Strom wallfahren, und alles, was ich inzwischen mit Hilfe der Götter stehlen werde, will ich dir opfern! Oder wenigstens einen Teil davon! Und bewahre mich vor Kultur und allen anderen Übeln!«
Damit war mein Gebet noch lange nicht zu Ende, aber mitten im Gebet kam plötzlich das Signal zum Aufbruch und wir wurden auf das Schiff gejagt.
Nicht alle Hindus waren so fromm gewesen wie ich, einige hatten sich zum Sergeanten befördern lassen, und mir quoll die Galle, als ich einem tief unter mir stehenden Wasserträger gehorchen mußte.
Zu unserem Erstaunen wurden wir in dem Raum des Schiffes untergebracht, in dem bisher die Mohammedaner gehaust hatten. Die Mohammedaner aber blieben mit einigen englischen Offizieren zurück in Ägypten. Es hieß, sie seien nicht würdig, gegen die deutschen Dämonen zu kämpfen, aber ich denke mir, die Engländer fürchteten eine neue Revolte. Wohin sie die Mohammedaner gebracht haben, weiß ich nicht. Aber sicherlich haben die wenigsten ihre Heimat wiedergesehen.
Der Schiffsbauch unter uns blieb leer. Aber nicht lange. Denn nach mehrtägiger Fahrt legten wir für ein paar Stunden an der Küste an und luden Menschen ein, wie ich noch nie häßlichere gesehen habe: tiefschwarze Neger.
Wir wollten zuerst gar nicht glauben, daß es Menschen seien, sondern hielten sie für Tiere. Aber man sagte uns, auch sie seien Verbündete der Engländer und Franzosen.
Seitdem hat sich meine Ehrfurcht vor den heiligen Affen stark vermindert, denn wer weiß, ob nicht auch die Affen heimliche Verbündete der Engländer sind.
Und weiter ging die Meerfahrt, immer weiter. Und immer kälter wurde es. Meine Brust schmerzte mich, ich spuckte Blut.