›Oder wisset ihr wohl, liebe Freie Brüder: ‚Wir haben schon ehedem Böses gethan, wir sind nicht schuldlos geblieben‘?‹

›Wir wissen’s nicht, Bruder.‹

›Oder wisset ihr wohl, liebe Freie Brüder: ‚Diese und jene böse That haben wir begangen‘?‹

›Wir wissen’s nicht, Bruder.‹

›Oder wisset ihr etwa, liebe Freie Brüder: ‚Ein Stück Leiden ist überstanden, ein anderes noch zu überstehn; ist aber ein Stück Leiden überstanden, so wird alles Leid überstanden werden‘?‹

›Wir wissen’s nicht, Bruder.‹

›Oder wisset ihr vielleicht, liebe Freie Brüder, wie man noch bei Lebzeiten das Falsche verleugnen und das Rechte gewinnen kann?‹

›Wir wissen’s nicht, Bruder.‹

{3} ›So gesteht ihr, liebe Freie Brüder, ihr wisst nicht ‚Wir sind schon ehedem gewesen, nicht sind wir nicht gewesen‘, wisst nicht ‚Wir haben schon ehedem Böses gethan, wir sind nicht schuldlos geblieben‘, wisst nicht ‚Diese und jene böse That haben wir begangen‘, wisst nicht ‚Ein Stück Leiden ist überstanden, ein anderes noch zu überstehn; ist aber ein Stück Leiden überstanden, so wird alles Leid überstanden werden‘, wisst nicht, wie man noch bei Lebzeiten das Falsche verleugnen und das Rechte gewinnen kann: ist es also, kann es den ehrwürdigen Freien Brüdern nicht geziemen zu erklären ‚Was immer auch ein Mensch empfindet, sei es Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, all das ist vorhergewirkt: so findet durch Büßung und Tilgung alter und Vermeidung neuer Thaten ferner kein Zufluss mehr statt; weil ferner kein Zufluss mehr stattfindet, kommt es zur Thatenversiegung, durch die Thatenversiegung zur Leidenversiegung, durch die Leidenversiegung zur Gefühlversiegung, und mit der Gefühlversiegung wird alles Leid überstanden sein‘. Wenn ihr freilich, liebe Freie Brüder, wüsstet ‚Wir sind schon ehedem gewesen, nicht sind wir nicht gewesen‘, wüsstet ‚Wir haben schon ehedem Böses gethan, wir sind nicht schuldlos geblieben‘, wüsstet ‚Diese und jene böse That haben wir begangen‘, wüsstet ‚Ein Stück Leiden ist überstanden, ein anderes noch zu überstehn; ist aber ein Stück Leiden überstanden, so wird alles Leid überstanden werden‘, wüsstet, wie man noch bei Lebzeiten das Falsche verleugnen und das Rechte gewinnen kann: wär’ es also, könnt’ es den ehrwürdigen Freien Brüdern geziemen zu erklären {4} ‚Was immer auch ein Mensch empfindet, sei es Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, all das ist vorhergewirkt: so findet durch Büßung und Tilgung alter und Vermeidung neuer Thaten ferner kein Zufluss mehr statt; weil ferner kein Zufluss mehr stattfindet, kommt es zur Thatenversiegung, durch die Thatenversiegung zur Leidenversiegung, durch die Leidenversiegung zur Gefühlversiegung, und mit der Gefühlversiegung wird alles Leid überstanden sein‘.

›Gleichwie etwa, liebe Freie Brüder, wenn ein Mann von einem Pfeile getroffen wäre, dessen Spitze mit Gift bestrichen wurde[3]: da empfände er durch die Schärfe des Pfeiles schmerzliche, brennende, stechende Gefühle. Und seine Freunde, Genossen, Verwandte, Gevattern bestellten ihm einen heilkundigen Arzt, und der heilkundige Arzt schnitte ihm mit einem Messer die Mündung der Wunde auf: da empfände er durch das Aufschneiden der Mündung der Wunde mit dem Messer schmerzliche, brennende, stechende Gefühle. Und der heilkundige Arzt suchte mit einer Sonde bei ihm nach der Spitze: da empfände er durch das Suchen der Spitze mit der Sonde schmerzliche, brennende, stechende Gefühle. Und der heilkundige Arzt zöge ihm die Spitze heraus: da empfände er durch das Herausziehn der Spitze schmerzliche, brennende, stechende Gefühle. Und der heilkundige Arzt senkte ihm Gegengift und einen glühenden Stahl in die Wunde: da empfände er durch das Gegengift und den glühenden Stahl in der Wunde schmerzliche, brennende, stechende Gefühle. Und nach einiger Zeit wüchse die Wunde zu und vernarbte, und er wäre genesen, fühlte sich wohl, unabhängig, selbständig, könnte gehn wohin er wollte. Da gedächte er: {5} ‚Ich war früher von einem Pfeile getroffen worden, dessen Spitze mit Gift bestrichen: da empfand ich durch die Schärfe des Pfeiles schmerzliche, brennende, stechende Gefühle. Und meine Freunde, Genossen, Verwandte, Gevattern bestellten mir einen heilkundigen Arzt, und der heilkundige Arzt schnitt mir mit einem Messer die Mündung der Wunde auf: da empfand ich durch das Aufschneiden der Mündung der Wunde mit dem Messer schmerzliche, brennende, stechende Gefühle. Und der heilkundige Arzt suchte mit einer Sonde bei mir nach der Spitze: da empfand ich durch das Suchen der Spitze mit der Sonde schmerzliche, brennende, stechende Gefühle. Und der heilkundige Arzt zog mir die Spitze heraus: da empfand ich durch das Herausziehn der Spitze schmerzliche, brennende, stechende Gefühle. Und der heilkundige Arzt senkte mir Gegengift und einen glühenden Stahl in die Wunde: da empfand ich durch das Gegengift und den glühenden Stahl in der Wunde schmerzliche, brennende, stechende Gefühle. Jetzt aber ist die Wunde zugewachsen und vernarbt, und ich bin genesen, fühle mich wohl, unabhängig, selbständig, kann gehn wohin ich will‘: