»Drei giebt es, ihr Mönche, beim Thoren der Kennzeichen des Thoren, der Merkmale des Thoren, der Offenbarungen des Thoren: und welche drei? Da mag, ihr Mönche, der Thor Uebelgedachtes denken und Uebelgesprochenes sprechen und übelgethane That begehn. Wär’ es nicht, ihr Mönche, des Thoren Art Uebelgedachtes zu denken und Uebelgesprochenes zu sprechen und übelgethane That zu begehn, welcher Weise könnte ihn wohl erkennen: ›Ein Thor ist es, ein schlechter Mensch‹? Weil nun aber, ihr Mönche, der Thor Uebelgedachtes denkt und Uebelgesprochenes spricht und übelgethane That begeht, darum erkennen ihn Weise: ›Ein Thor ist es, ein schlechter Mensch.‹
»Ein solcher Thor nun, ihr Mönche, wird in dreifachem Maaße schon bei Lebzeiten Trauer und Trübsinn erfahren. Wenn sich, ihr Mönche, der Thor in Gesellschaft befindet oder auf der Straße befindet oder auf dem Markte befindet, so führen die Leute von ihm veranlasste, auf ihn bezügliche Gespräche. Wenn, ihr Mönche, der Thor Lebendiges umbringt, Nichtgegebenes nimmt, Ausschweifung begeht, Lüge spricht, berauschende und berückende Getränke, betäubende und bethörende Mittel gebraucht, so wird ihm da also, ihr Mönche, zumuthe: ›Haben die Leute davon Anlass, darauf Beziehung im Gespräche genommen, so ist dergleichen bei mir anzutreffen: auch mich kann das angehn.‹ {291} Das wird, ihr Mönche, der Thor zuerst schon bei Lebzeiten als Trauer und Trübsinn erfahren.
»Weiter sodann, ihr Mönche, sieht der Thor wie Könige einen Räuber, einen Verbrecher ergreifen lassen und mancherlei Strafen verhängen, als wie Peitschen-, Stock- oder Ruthenhiebe; Handverstümmlung, Fußverstümmlung oder Verstümmlung der Hände und Füße; Ohrenverstümmlung, Nasenverstümmlung, Verstümmlung der Ohren und der Nase; den Breikessel, die Muschelrasur, das Drachenmaul; den Pechkranz, die Fackelhand; das Spießruthenlaufen, das Rindenliegen, den Marterbock; das Angelfleisch, den Münzengriff, die Laugenätze; den Schraubstock, das Bastgeflecht; die siedende Oelbeträufelung, das Zerreißen durch Hunde, die lebendige Pfählung, die Enthauptung. Da wird, ihr Mönche, dem Thoren also zumuthe: ›Um welcher Uebelthaten willen Könige einen Räuber, einen Verbrecher ergreifen lassen und so mancherlei Strafen verhängen, dergleichen ist ja bei mir anzutreffen: auch mich kann das angehn. Wenn Könige auch mich kennten, sie ließen auch mich ergreifen und so mancherlei Strafen verhängen.‹ Das aber wird, ihr Mönche, der Thor zuzweit schon bei Lebzeiten als Trauer und Trübsinn erfahren.
{292} »Weiter sodann, ihr Mönche: wenn der Thor auf einem Stuhle Platz genommen oder auf ein Lager sich hingelegt hat oder auf der Erde ausruht, so sind es die bösen Thaten, die er früher gethan, schlechte Handlungen in Werken, in Worten, in Gedanken, die um diese Zeit über ihn kommen, über ihn niedersinken, über ihn herabziehn. Gleichwie etwa, ihr Mönche, die Schatten der Gipfel hoher Gebirge um Sonnenuntergang über die Ebene kommen, über sie niedersinken, über sie herabziehn: ebenso nun auch, ihr Mönche, sind es, wenn der Thor auf einem Stuhle Platz genommen oder auf ein Lager sich hingelegt hat oder auf der Erde ausruht, die bösen Thaten, die er früher gethan, schlechte Handlungen in Werken, in Worten, in Gedanken, die um diese Zeit über ihn kommen, über ihn niedersinken, über ihn herabziehn. Da wird, ihr Mönche, dem Thoren also zumuthe: ›Nicht hab’ ich doch günstig gewirkt, habe nicht heilsam gewirkt, habe keinerlei Scheu gekannt: Böses hab’ ich gethan, grausam bin ich gewesen, Frevel hab’ ich verübt; wo da ungünstig wirken, unheilsam wirken, keinerlei Scheu kennen, Böses thun, grausam sein, Frevel verüben hingelangen lässt, dahin werd’ ich nach dem Tode gelangen.‹ So wird er bekümmert, beklommen, er jammert, schlägt sich stöhnend die Brust, geräth in Verzweiflung. Das aber wird, ihr Mönche, der Thor zudritt schon bei Lebzeiten als Trauer und Trübsinn erfahren.
»Ein solcher Thor nun, ihr Mönche, der in Werken übel gewandelt, in Worten übel gewandelt, in Gedanken übel gewandelt ist, gelangt bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt. Mag nun einer, ihr Mönche, mit rechter Rede sagen ›Einzig unerwünscht, einzig unbegehrt, einzig unangenehm‹, mag er es eben von höllischer Welt mit rechter Rede sagen: ›Einzig unerwünscht, einzig unbegehrt, einzig unangenehm‹; da man es ja, ihr Mönche, {293} auch im Gleichnisse nicht wohl darthun kann, wie tief die Leiden höllischer Welten reichen.«
Auf diese Worte wandte sich einer der Mönche an den Erhabenen und fragte:
»Kann man aber, o Herr, ein Gleichniss geben?«
»Man kann es, Mönch«, sprach der Erhabene. »Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn man einen Räuber, einen Verbrecher ergriffe und vor den Herrscher brächte: ›Hier, o König, ist ein Räuber, ein Verbrecher: was du ihm bestimmst, diese Strafe gebiete!‹ Und der König verkündete ihm: ›Geht, ihr Leute, und gebt diesem Manne am Morgen hundert Klingenhiebe.‹ Und man gäbe ihm am Morgen hundert Klingenhiebe. Da fragte der König zu Mittag: ›Sagt doch, was macht jener Mann?‹ — ›Er ist noch, o König, am Leben.‹ Und der König verkündete ihm: ›Geht, ihr Leute, und gebt dem Manne zu Mittag hundert Klingenhiebe.‹ Und man gäbe ihm zu Mittag hundert Klingenhiebe. Da fragte der König am Abend: ›Sagt doch, was macht jener Mann?‹ — ›Er ist noch, o König, am Leben.‹ Und der König verkündete ihm: ›Geht, ihr Leute, und gebt dem Manne am Abend hundert Klingenhiebe.‹ Und man gäbe ihm am Abend hundert Klingenhiebe. Was meint ihr wohl, Mönche: würde da nicht dieser Mann, mit dreihundert Klingenhieben gezüchtigt, infolge davon Trauer und Trübsinn erfahren?«
»Auch nur, o Herr, mit einem Klingenhiebe gezüchtigt würde dieser Mann infolge davon Trauer und Trübsinn erfahren, geschweige denn mit dreihundert Klingenhieben.«
Da hob nun der Erhabene einen mäßigen, handgroßen Stein auf und wandte sich an die Mönche: