»Auch nur vom Sehn aus ist mir, Ānando, Potaliputto der Pilger nicht bekannt, geschweige denn dass ich ihm das gesagt hätte. Aber auch Samiddhi, Ānando, hat da als ein Unverständiger Potaliputto dem Pilger die mehrfach zu beantwortende Frage einseitig beantwortet.«
Auf diese Worte wandte sich der ehrwürdige Udāyī also an den Erhabenen:
»Wenn aber, o Herr, der ehrwürdige Samiddhi es in Beziehung darauf gesagt hat: ‚Was irgend empfunden wird ist schmerzlich‘?«
Also gefragt wandte sich der Erhabene an den ehrwürdigen Ānando und sagte:
»Sieh’ doch, Ānando, wie da Udāyī als ein Unverständiger irrt: gewusst hab’ ich es, Ānando, dass da eben jetzt Udāyī als ein Unverständiger in Irrthum gerathen, unachtsam sich irren wird. Gleich am Anfang, Ānando, hat Potaliputto der Pilger drei Arten von Gefühlen gemeint. Hätte da, Ānando, Samiddhi, der Unverständige, Potaliputto dem Pilger auf seine Frage also geantwortet: ›Wer mit Absicht, Bruder Potaliputto, eine That begangen hat, in Werken, in Worten, in Gedanken, die freudig zu empfinden ist, der empfindet Freude; wer mit Absicht, Bruder Potaliputto, eine That begangen hat, in Werken, in Worten, in Gedanken, die leidig zu empfinden ist, der empfindet Schmerz; {358} wer mit Absicht, Bruder Potaliputto, eine That begangen hat, in Werken, in Worten, in Gedanken, die weder leidig noch freudig zu empfinden ist, der empfindet weder Schmerz noch Freude‹: so würde mit dieser Antwort, Ānando, Samiddhi, der Unverständige, Potaliputto dem Pilger recht geantwortet haben. Sind nun freilich, Ānando, jene anderen Büßer und Pilger thöricht und unerfahren, wer soll dann des Vollendeten mächtige Kennzeichnung der Werke verstehn, es sei denn dass ihr, Ānando, zuhört, wann der Vollendete mächtige Kennzeichnung der Werke kennzeichnet.«
»Da ist es, Erhabener, Zeit, da ist es, Willkommener, Zeit, dass der Erhabene mächtige Kennzeichnung der Werke kennzeichne: des Erhabenen Wort werden die Mönche bewahren.«
»Wohlan denn, Ānando, so höre und achte wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« sagte da aufmerksam der ehrwürdige Ānando zum Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»Vier Arten von Menschen, Ānando, finden sich hier in der Welt vor: welche vier? Da ist, Ānando, einer, der ist ein Mörder und Dieb, ein Wüstling, Lügner, Verleumder, ein Zänker und Schwätzer, voll Gier und Hass und Eitelkeit: der gelangt, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt; da ist wieder, Ānando, einer, der ist ein Mörder und Dieb, ein Wüstling, Lügner, Verleumder, ein Zänker und Schwätzer, voll Gier und Hass und Eitelkeit: der gelangt, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt; {359} da ist, Ānando, einer, der ist kein Mörder und Dieb, kein Wüstling, Lügner, Verleumder, kein Zänker und Schwätzer, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt: der gelangt, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt; und da ist, Ānando, einer, der ist kein Mörder und Dieb, kein Wüstling, Lügner, Verleumder, kein Zänker und Schwätzer, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt: der gelangt, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt.
»Da hat, Ānando, irgend ein Asket oder Priester in heißer Buße, in stetem Kampfe, in ernster Uebung, in unermüdlichem Eifer, in tiefer Bedachtsamkeit eine geistige Einigung errungen, wo er innig im Herzen mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, jenen Menschen erblickt, der da ein Mörder und Dieb gewesen, ein Wüstling, Lügner, Verleumder, ein Zänker und Schwätzer, voll Gier und Hass und Eitelkeit, wie er, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen ist, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt. Der sagt sich nun: ›Es giebt ja wahrlich böse Thaten, es giebt eine Ernte schlechter Handlungen: hab’ ich doch jenen Menschen erblickt, der da also übel gewandelt war, {360} wie er, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen ist, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt.‹ Der sagt sich nun: ›Wer da wahrlich also übel gewandelt ist, ein jeder solche gelangt, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, da hinab. Die das erkennen, erkennen recht: die anders erkennen, haben falsche Erkenntniss.‹ So wird er was er eben selbst erkannt, selbst gesehn, selbst gefunden hat eben einzig dabei beharrlich pflegen, sich aneignen, behaupten: ›Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes.‹