›So gesteht ihr, liebe Freie Brüder, dass da eine That, die als diesseitig empfunden wird, durch eifrige Anstrengung als jenseitig empfunden werden soll, das kann nicht gelingen; und dass da eine That, die als jenseitig empfunden wird, durch eifrige Anstrengung als diesseitig empfunden werden soll, das kann nicht gelingen; dass da eine That, die als Wohl empfunden wird, durch eifrige Anstrengung als Wehe empfunden werden soll, das kann nicht gelingen; und dass da eine That, die als Wehe empfunden wird, {11} durch eifrige Anstrengung als Wohl empfunden werden soll, das kann nicht gelingen; dass da eine That, die als ausgereift empfunden wird, durch eifrige Anstrengung als unausgereift empfunden werden soll, das kann nicht gelingen; und dass da eine That, die als unausgereift empfunden wird, durch eifrige Anstrengung als ausgereift empfunden werden soll, das kann nicht gelingen; dass da eine That, die als sehr schmerzlich empfunden wird, durch eifrige Anstrengung als wenig schmerzlich empfunden werden soll, das kann nicht gelingen; und dass da eine That, die als wenig schmerzlich empfunden wird, durch eifrige Anstrengung als sehr schmerzlich empfunden werden soll, das kann nicht gelingen; dass da eine That, die empfunden wird, durch eifrige Anstrengung nicht empfunden werden soll, das kann nicht gelingen; und dass da eine That, die nicht empfunden wird, durch eifrige Anstrengung empfunden werden soll, das kann nicht gelingen. Ist es also, ist der ehrwürdigen Freien Brüder Anstrengung fruchtlos, fruchtlos die Mühe.‹

»Solche Sprache führen, ihr Mönche, die Freien Brüder. Bei solcher Sprache der Freien Brüder, ihr Mönche, erweisen sich zehn entsprechende Begriffe ihrer Annahme nach als unrecht.

»Wenn, ihr Mönche, die Wesen durch vorhergewirktes Werk Wohl und Wehe erfahren, dann, ihr Mönche, haben die Freien Brüder ehedem Missethat gethan, da sie jetzt so schmerzliche, brennende, stechende Gefühle erfahren. Wenn, ihr Mönche, die Wesen durch die Schaffung eines Schöpfers Wohl und Wehe erfahren, dann, ihr Mönche, sind die Freien Brüder von einem bösen Schöpfer geschaffen, da sie jetzt so schmerzliche, brennende, stechende Gefühle erfahren. Wenn, ihr Mönche, die Wesen durch Fügung des Zufalls Wohl und Wehe erfahren, dann, ihr Mönche, haben die Freien Brüder einen schlimmen Zufall getroffen, da sie jetzt so schmerzliche, brennende, stechende Gefühle erfahren. Wenn, ihr Mönche, die Wesen ihrer Geburt nach Wohl und Wehe erfahren, {12} dann, ihr Mönche, sind die Freien Brüder von übler Geburt, da sie jetzt so schmerzliche, brennende, stechende Gefühle erfahren. Wenn, ihr Mönche, die Wesen durch ihre Anstrengung hier im Leben Wohl und Wehe erfahren, dann, ihr Mönche, ist die Anstrengung der Freien Brüder hier im Leben misslungen, da sie jetzt so schmerzliche, brennende, stechende Gefühle erfahren. Ob nun, ihr Mönche, die Wesen durch vorhergewirktes Werk Wohl und Wehe erfahren oder nicht: die Freien Brüder haben unrecht. Ob nun, ihr Mönche, die Wesen durch die Schaffung eines Schöpfers Wohl und Wehe erfahren oder nicht: die Freien Brüder haben unrecht. Ob nun, ihr Mönche, die Wesen durch Fügung des Zufalls Wohl und Wehe erfahren oder nicht: die Freien Brüder haben unrecht. Ob nun, ihr Mönche, die Wesen ihrer Geburt nach Wohl und Wehe erfahren oder nicht: die Freien Brüder haben unrecht. Ob nun, ihr Mönche, die Wesen durch ihre Anstrengung hier im Leben Wohl und Wehe erfahren oder nicht: die Freien Brüder haben unrecht.

»Solche Sprache führen, ihr Mönche, die Freien Brüder. Bei solcher Sprache der Freien Brüder, ihr Mönche, erweisen sich diese zehn entsprechenden Begriffe ihrer Annahme nach als unrecht. So aber ist, ihr Mönche, die Anstrengung fruchtlos, fruchtlos die Mühe.

»Wie aber ist, ihr Mönche, die Anstrengung fruchtbar, fruchtbar die Mühe? {13} Da lässt, ihr Mönche, ein Mönch sein unüberwältigtes Gemüth eben nicht von Leiden überwältigen, und ein wahrhaftes Wohlbefinden verleugnet er nicht, und er bleibt bei diesem Wohlbefinden unverstört. Er gedenkt bei sich: ›Indem ich mir jener Leidensursache Vorstellung gegenwärtig halte, wird durch der Vorstellung Gegenwart die Liebe verwunden; indem ich wieder betrachtend die Betrachtung über jene Leidensursache in mir vollende, wird die Liebe verwunden.‹ So hält er sich denn, wo er beim Gegenwärtighalten der Vorstellung einer Leidensursache durch der Vorstellung Gegenwart die Liebe verwindet, die Vorstellung da gegenwärtig; und wo er wieder betrachtend, die Betrachtung über eine Leidensursache vollendend die Liebe verwindet, da vollendet er die Betrachtung. Weil er dieser und jener Leidensursache Vorstellung sich gegenwärtig hält und durch der Vorstellung Gegenwart die Liebe verwindet, hat er erst also dieses Leiden überstanden; weil er betrachtend, die Betrachtung über diese und jene Leidensursache vollendend die Liebe verwindet, hat er dann also dieses Leiden überstanden.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann in eine Frau verliebt, ihr innig zugethan wäre, sie heftig verlangte, heftig ersehnte. Und er sähe die Frau mit einem anderen Manne stehn und reden und scherzen und lachen. Was meint ihr wohl, Mönche: würde da etwa dem Manne, der jene Frau mit einem anderen Manne stehn und reden und scherzen und lachen sehn hätte, Wehe und Jammer, Schmerz, Gram und Verzweiflung aufsteigen?«

»Freilich, o Herr!«

»Und warum das?«

»Der Mann, o Herr, ist ja in jene Frau verliebt, ihr innig zugethan, verlangt sie heftig, ersehnt sie heftig: hat er nun die Frau mit einem anderen Manne stehn und reden und scherzen und lachen sehn, {14} so steigt ihm darüber Wehe und Jammer, Schmerz, Gram und Verzweiflung auf.«

»Aber der Mann, ihr Mönche, gedächte bei sich: ›Ich bin in jene Frau verliebt, ihr innig zugethan, verlange sie heftig, ersehne sie heftig. Und weil ich jene Frau mit einem anderen Manne stehn und reden und scherzen und lachen sehn habe, steigt mir Wehe und Jammer, Schmerz, Gram und Verzweiflung auf. Wie, wenn ich nun was da in mir Verlangen und Liebe zu jener Frau ist verleugnete?‹ Und was da Verlangen und Liebe zu jener Frau ist, das verleugnete er. Und er sähe die Frau nach einiger Zeit mit einem anderen Manne stehn und reden und scherzen und lachen. Was meint ihr wohl, Mönche: würde da etwa dem Manne, der jene Frau mit einem anderen Manne stehn und reden und scherzen und lachen sehn hätte, Wehe und Jammer, Schmerz, Gram und Verzweiflung aufsteigen?«