Fünfzehnter Theil
Neunte Rede
ALMOSENLÄUTERUNG
{481} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen.
Da begab sich denn der ehrwürdige Sāriputto gegen Abend, nach Aufhebung der Gedenkensruhe, zum Erhabenen hin, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Zum ehrwürdigen Sāriputto, der da seitwärts saß, sprach nun der Erhabene also:
»Heiter, Sāriputto, ist dein Angesicht, hell die Hautfarbe und rein; was hast du wohl, Sāriputto, in dieser Zeit am meisten erfahren mögen?«
»Armuth erfahren hab’ ich, o Herr, in dieser Zeit am meisten gemocht.«
»Recht so, recht so, Sāriputto. Großer Männer Erfahrung erfahren hast du wahrlich, Sāriputto, in dieser Zeit am meisten gemocht. Großer Männer Erfahrung heißt es ja, Sāriputto, ist die Armuth. — Darum aber, Sāriputto, so ein Mönch sich wünscht ›Armut erfahren möcht’ ich am meisten‹, hat ein solcher Mönch, Sāriputto, sich also zu erforschen: ›Auf dem Wege wo ich nach dem Dorfe um Almosen hinging, an dem Orte wo ich um Almosen stand, auf dem Wege wo ich aus dem Dorfe vom Almosengange wiederkam, ist mir da etwa bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen Wille, oder Gier, oder Hass, oder Irre, oder Widerstreit im Geiste aufgestiegen?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Auf dem Wege wo ich nach dem Dorfe um Almosen hinging, an dem Orte wo ich um Almosen stand, auf dem Wege wo ich aus dem Dorfe vom Almosengange wiederkam, {482} da ist mir bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen Wille, oder Gier, oder Hass, oder Irre, oder Widerstreit im Geiste aufgestiegen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Auf dem Wege wo ich nach dem Dorfe um Almosen hinging, an dem Orte wo ich um Almosen stand, auf dem Wege wo ich aus dem Dorfe vom Almosengange wiederkam, da ist mir bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen Wille, oder Gier, oder Hass, oder Irre, oder Widerstreit im Geiste nicht aufgestiegen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu erforschen: ›Auf dem Wege wo ich nach dem Dorfe um Almosen hinging, an dem Orte wo ich um Almosen stand, auf dem Wege wo ich aus dem Dorfe vom Almosengange wiederkam, ist mir da etwa bei den durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Tönen, bei den durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düften, bei den durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säften, bei den durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen, bei den durch das Gedenken ins Bewusstsein tretenden Dingen Wille, oder Gier, oder Hass, oder Irre, oder Widerstreit im Geiste aufgestiegen?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Auf dem Wege wo ich nach dem Dorfe um Almosen hinging, an dem Orte wo ich um Almosen stand, auf dem Wege wo ich aus dem Dorfe vom Almosengange wiederkam, da ist mir bei den durch das Gedenken ins Bewusstsein tretenden Dingen Wille, oder Gier, oder Hass, oder Irre, oder Widerstreit im Geiste aufgestiegen‹, {483} so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um Befreiung von ebendiesen bösen, schlechten Dingen zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Auf dem Wege wo ich nach dem Dorfe um Almosen hinging, an dem Orte wo ich um Almosen stand, auf dem Wege wo ich aus dem Dorfe vom Almosengange wiederkam, da ist mir bei den durch das Gedenken ins Bewusstsein tretenden Dingen Wille, oder Gier, oder Hass, oder Irre, oder Widerstreit im Geiste nicht aufgestiegen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.
»Weiter sodann, Sāriputto, hat ein Mönch sich also zu erforschen: ›Hab’ ich sie aufgehoben, die fünf Begehrungen?‹ Wenn da, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Nicht aufgehoben hab’ ich sie, die fünf Begehrungen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, um die Aufhebung der fünf Begehrungen zu kämpfen. Wenn aber, Sāriputto, der Mönch bei seiner Betrachtung erkennt: ›Aufgehoben hab’ ich sie, die fünf Begehrungen‹, so hat ein solcher Mönch, Sāriputto, ebendiese {484} sälig heitere Uebung im Guten Tag und Nacht zu bewahren.