[133] Die selbe Gepflogenheit im Umgang mit Menschen von griechischen Weisen oft empfohlen; so von SOLON: Σφραγιζε τουζ μεν λογους σιγῃ. Desgleichen sehr schön von MAKARIOS: Ὁ νεν γαρ σιγων ωφελει, Apophthegm. ed. PRITIUS p. 235. Auch von S. FRANCESCO als Evangelicum silentium der Brüder, »ut videlicet ab omni otioso verbo omni tempore abstinerent sollicite«, wie BONAVENTURA im 5. Kapitel der Vita berichtet. — Cf. Anm. 212.[134] Cf. Bd. II, Anm. 14; Maṇḍalabrāhmaṇopaniṣat II, 4 i. f.: sarvaṃ jagad ātmatvena paśyaṃs tyaktāhaṉkāro brahmāham asmīti cintayann, idaṃ sarvaṃ yad ayam ātmeti bhāvayan, kṛtakṛtyo bhavati. Kurz als Monogramm: sarvatrātmaiveti paśyanti, Bhikṣukop. i. f. — Unter den heiligen Anachoreten der Bergschluchten, in Wald, Fels, Einöde gebirgauf vertheilt, gelagert zwischen Klüften, ertönt aus der tiefen Region des Pater profundus durch seine innig umfassende Naturerschauung zu Beginn der letzten Szene des Faust ein gleicher Vorklang empor:

So ist es die allmächtige Liebe,

Die Alles bildet, Alles hegt.

[135] Cf. Chāndogyopaniṣat III, 11, 6: imām adbhiḥ parigṛhītāṃ dhanasya pūrṇām. Eine gleiche Zonognosie bekanntlich in der Ilias und in der Edda.[136] altvedisches Gleichniss, e. g. im Ṛk IV, 45, 4; cf. GELDNER in PISCHELS Vedischen Studien 2. Bd. S. 180.[137] einer der drei begleitenden Mönche, mit welchen Anuruddho, wie eingangs erwähnt, selbviert geladen war.[138] Hiermit vergl. man die ähnlich gesteigerten, immer sublimierter, immer reinlicher befriedigenden Begriffe des sokratischen Eros, im Symposion des PLATON p. 210–212.[139] Vergl. Theragāthā 927, Yogacūḍāmaṇyupaniṣat v. 80 ͠= Theaitetos p. 144.[140] Vergl. Bd. 2, Anm. 70 über das Kevaṭṭasuttantam. Auch die verwandte Tripādvibhūtimahānārāyaṇopaniṣat VI i. f., wo der upāsakas immer höhere Gegenden ersteigend, immer höhere Kreise und Himmel erkundend endlich den Ādinārāyaṇas antrifft, von ihm begrüßt wird »Du bist Brahmā: ich bin Brahmā« — worauf dieser verschwindet und er selbst sich seiner bewusst ist. Ebenso ECKHARTS Darstellung des „Klimmenden Geistes“, p. 275, und den Gang in den eigenen Grund, wo der Mensch einig geworden als vor tausend Jahren und als nach tausend Jahren und als im Nu verkehren und mitwirken mag: »unt daz ist wîsen liuten ze wizzene unde groben ze gloubenne«, p. 189–190. — Vergl. schon das altvedische Aufsteigen zum Sonnenrade, e. g. S̀atapathabrāhm. I, 9, 3, 15: und wiederum ECKHARTS Fliegen an das Rad der »gewâren sunnen«, p. 303.

Zum Gleichnisse von der hell brennenden Oellampe cf. Triśikhibrāhmaṇopaniṣat v. 157: nivātadīpasadṛśaḥ und ein Scholion zu Maitryupaniṣat VI i. m.: nirvātadeśasthapradīpaśikhāvadacalatayā’vasthānaṃ samādhiḥ. Aehnlich noch Maṇḍalabrāhmaṇopaniṣat II, 3 im Anf. (cf. Anm. 198), Yogatattvop. II, 4, Bhagavadgītā VI, 19, etc. Auch MAKARIOS, bei FLOSS p. 197: »Sicut lampas splendida in loco tenebroso... sic monachus perfectus in sobrietate et castitate« etc. — Form und Technik der indischen Lampe entspricht genau der griechischen. Von der antiken bis zur modernen Welt hat man die Metapher der Lampe immer gern gebraucht; auch in anderer Gestalt, z. B. in der 43., bez. 146. Rede unserer Sammlung, ferner in den Liedern der Mönche v. 906, der Nonnen v. 116, woselbst weitere Belege angemerkt sind. Wie beliebt solche Gleichnisse in Rom gewesen sein müssen erhellt aus dem 30. Briefe SENECAS, wo er haec non tamquam nova, sed tamquam in rem praesentem perductus mit Wohlgefallen anführt, indem er, ganz wie Lieder der Mönche v. 702, das schöne Bild entwickelt: »Ignis qui valentem materiam occupavit aqua et interdum ruina extinguendus est; ille qui alimentis deficitur sua sponte subsidit.« Vergl. auch das Testament EPHRAEMS im Anf. Aus neueren Zeiten seien hier noch zwei Stellen aus den Relations de la mort de quelques réligieux de l’abbaye de la Trappe, Paris 1702, I. p. 171 u. II. p. 227 gegeben, wo es vom abbé DE CHASTILLON heißt »il cessa de vivre comme une lampe qui s’éteint et qui cesse d’éclairer«, und vom frère ACHILLES »on le voioit diminuer de jour en jour et s’éteindre, pour ainsi dire, comme une lampe qui manque d’huile.«

[141] »Krieget man mit mir und ich gibe ime als vil worte wider, daz er geswîgen muoz, sô hân ich niht überwunden, sô bin ich überwunden. Aber geswîgen ich von rehter diemüetikeit, sô hân ich überwunden. Mit überwindenne ist man überwunden, überwunden bliben hêt man überwunden.« ECKHART, p. 639. — Zum ersten Verse cf. PERSIUS V, 52–53:

Mille hominum species et rerum discolor usus:

Velle suum cuique est, nec voto vivitur uno.

[142] Bālakaloṇakāragāmo.[143] Aehnlich hat das altlombardische Rittergeschlecht der TRIVULZIO drei Gesichter, tre volti, im Wappen mit der Legende mens unica. Bemerkenswerth noch, wenn auch vielleicht hyperbolisch, ist was CELANO in seiner Vita S. Francisci, I, 8, genau so von den ursprünglichen Clarissinen berichtet: Praecipue namque ante omnia in eis viget virtus mutuae ac continuae charitatis, quae ita ipsarum in unum copulat voluntates, ut cum quadraginta vel quinquaginta pariter alicubi morentur, idem velle ac idem nolle unum in eis spiritum faciat de diversis. Der eigenen Einsicht aber sei endlich der ausführlichere, wundervolle Bericht über unsere Fünf Gottesfreunde vom Oberlande, um 1370, empfohlen, der wohl das innigste, zarteste, feinste Gegenstück zu den Anuruddhern darbietet und in solcher Vollkommenheit ohnegleichen dasteht: bei PREGER, Gesch. der deutsch. Mystik Bd. III, S. 364–367.[144] Cf. CELANO, l. c. 17: Dicebat enim (fratribus) eis ipse beatus pater, veram obedientiam fore non solum prolatam sed excogitatam, non solum imperatam sed desideratam; hoc est, si frater fratris praelati subditus non solum audiat vocem, sed comprehendat voluntatem, statim ad obedientiam totum se debet colligere ac facere quod eum velle signo aliquo comprehendet. Bald darauf berichtet er weiter: Sic enim eos repleverat sancta simplicitas, sic eos cordis puritas possidebat, ut duplicitatem animi penitus ignorarent; quia sicut una fides, ita unus spiritus erat in eis, una voluntas, una charitas, animorum cohaerentia, semper morum concordia, virtutum cultus, conformitas mentis, et pacis actionum. Ebenso auch schon MAKARIOS, in der III. Homilie: Οφειλουσιν ουν οἱ αδελφοι, ει τι ποιουσι, εν αγαπῃ και χαρᾳ ειναι μετ’ αλληλων, κτλ.[145] dassanañ ca rūpānam: rūpam = ειδος, Bild, Form, Umriss; cf. BÖTHLINGK-ROTH 1 s. v. 1 e. Es ist eine geistige Wahrnehmung der Grundbegriffe, d. i. der Urbilder der Dinge.[146] Wie einst ist auch heute noch schatzgraben in manchen Gegenden, z. B. an den alten, längst unter Wüstensand verschütteten, ehedem so blühenden gräko-buddhistischen Kulturstätten im Taklamakan des östlichen Turkestan gebräuchlich und zuweilen recht ergiebig. Cf. HOERNLES interessante Belege in seinen Antiquities from Central Asia, Journ. As. Soc. Bengal. Extra No. 1, 1899, p. XXVII.[147] Zum Anblick der Umrisse, der geistigen Wahrnehmung der Urbilder der Dinge, S. 297–303, cf. PLATONS Ideenlehre; sowie Fausts Abstieg in den allertiefsten Grund, zur Gestaltung und Umgestaltung bei den Müttern ( Mahāmātaras, Lokamātaras, Μεγαλαι θεαι, Matres materiae; Magna Mater, Mater deum Aestiorum, Nerthus, Nornen); dann Tao-te-king Kap. 21. — Vergl. auch die spätere Darstellung der Mütter in den Felsenhöhlen der Tempel, Ruinen und Torsi, so zu Elurā.

Es mag nebenher angemerkt sein, dass recht eigentlich hier das nachspürende, aufschürfende, sehr allmälig vordringende Verständniss jüngerer Epochen indischer Architektur und Skulptur, der autochthonen Meisterwerke, — der Dutzenddurchschnitt und die barbarisch, d. i. fremdartig, persisch oder griechisch oder chinesisch behandelte Schablone verdient nur kulturhistorische Betrachtung — einfahren und anbohren muss: weil eben zumal der indische Künstler geheimnissvoll wie die Natur einzig von innen nach außen geschaffen, gebildet, gestaltet hat und so bei all dem Ueberflusse und der unendlichen Fülle noch immer großartig, ja erhaben zu wirken vermag; und nun trotz der scheinbaren Regellosigkeit, die den erstaunten Gast oft wie bei REMBRANDT befremden wird, wirklich doch eine höhere Einheit und Ordnung erreicht ist. Aber wenn man große Maler ohne Anschauung der Originale kaum verstehn lernen, wenn man sich Pyramiden und Amenophien durch Bilder oder Modelle schwerlich gut vorstellen kann, viel weniger erst die Art und Wirkung jener hindustanischen Denkmale, die gar tief gegründet in der heimischen Erde wurzeln, aus dem Schooße ihrer Felsenklüfte und -grüfte emporgewachsen, hinangewölbt, so zu sagen aus dem Reiche der indischen Mütter an den Tag hervorgestiegen scheinen. Immerhin einen mächtigen Kontrast zur Wirkung dieser Architektur bieten unsere gothischen Dome, in Straßburg, Rheims, in Mailand, Toledo etc., deren felsige Gestalt bekanntlich als freie Weiterentwickelung des hindustanischen Grottenstils anzusehn, uns in Europa von den Arabern und Mauren maskiert übermittelt worden ist. Denn wo der Islam dabei irgend selbständig zuwerke gehn wollte, hat er lediglich zierlich nette Kleinschmiedearbeit zustande gebracht, nicht mehr und nicht weniger, selbst in den ungeheueren Dimensionen der mogulischen Moscheen und Mausoleen zu Delhi und Agra: während schon der erste beste gewöhnliche indische oder gothische Thurm unser Gemüth bedeutsam wie die Natur anspricht, als ein Monolith vor dem Altar der Gabenmutter Demeter oder der unerschöpflich reichen Diana der Epheser. Wenn also SCHOPENHAUER die, freilich zu seiner Zeit ganz unzulänglich gekannte, hindustanische Skulptur als bloß symbolisch bezeichnet hat, so wäre hier eben bei »des Lebens Bildern, regsam, ohne Leben«, wo »Alles Melodie wird« und Säulenschaft und Triglyphe klingen, vielleicht noch eine höhere, fast unbeschreibliche Aussicht und Einsicht erreichbar und etwa der Erinnerung zu gedenken: