Sechste Rede
BHŪMIJO
{255} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen.
Da nun begab sich der ehrwürdige Bhūmijo, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, nach dem Hause des Königsohns Jayaseno. Dort angelangt nahm er auf dem dargebotenen Sitze Platz. Und Jayaseno der Königsohn trat an den ehrwürdigen Bhūmijo heran, tauschte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und setzte sich zur Seite hin. Zur Seite sitzend wandte sich nun Jayaseno der Königsohn also an den ehrwürdigen Bhūmijo:
»Es giebt, o Bhūmijo, manche Asketen und Priester, die sagen und lehren: ›Wer etwa mit Hoffnung ein Asketenleben führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen; wer etwa ohne Hoffnung ein Asketenleben führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen; wer etwa mit Hoffnung und ohne Hoffnung ein Asketenleben führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen; wer etwa weder mit Hoffnung noch ohne Hoffnung ein Asketenleben führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen.‹ Des werthen Bhūmijo Meister aber, was sagt der, was lehrt der, was verkündet der?«
»Ich selber, Königsohn, habe darüber vom Erhabenen nichts gehört, nichts vernommen; doch mag es wohl sein, dass der Erhabene also aussage: ›Wer etwa mit Hoffnung ein Asketenleben nicht von Grund aus führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen; wer etwa ohne Hoffnung ein Asketenleben nicht von Grund aus führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen; wer etwa mit Hoffnung und ohne Hoffnung ein Asketenleben nicht von Grund aus führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen; wer etwa weder mit Hoffnung noch ohne Hoffnung ein Asketenleben nicht von Grund aus führt, kann das Ziel unmöglich gewinnen. Wer etwa mit Hoffnung ein Asketenleben von Grund aus führt, kann das Ziel doch wohl gewinnen; wer etwa ohne Hoffnung ein Asketenleben von Grund aus führt, kann das Ziel doch wohl gewinnen; wer etwa mit Hoffnung und ohne Hoffnung ein Asketenleben von Grund aus führt, kann das Ziel doch wohl gewinnen; {256} wer etwa weder mit Hoffnung noch ohne Hoffnung ein Asketenleben von Grund aus führt, kann das Ziel doch wohl gewinnen.‹ Ich selber, Königsohn, habe darüber vom Erhabenen nichts gehört, nichts vernommen; doch mag es wohl sein, dass der Erhabene also aussage.«
»Wenn des werthen Bhūmijo Meister solches sagt, solches lehrt, solches verkündet, dann freilich hat des werthen Bhūmijo Meister eben all den übrigen Asketen und Priestern gleichsam aufs Haupt geschlagen.«
Und Jayaseno der Königsohn bediente nun den ehrwürdigen Bhūmijo mit Speise von der eigenen Tafel.
Als nun der ehrwürdige Bhūmijo, nach dem Mahle, vom Almosengange zurückgekehrt war, begab er sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend erzählte nun der ehrwürdige Bhūmijo dem Erhabenen Wort um Wort das ganze Gespräch, {257} das er mit Jayaseno dem Königsohne geführt hatte. Nach diesem Berichte wandte sich dann der ehrwürdige Bhūmijo also an den Erhabenen:
»Hab’ ich nun, o Herr, mit solcher Antwort auf solche Frage wirklich die Worte des Erhabenen gebraucht und den Erhabenen nicht mit Unrecht angeführt und der Lehre gemäß geredet, so dass sich da kein entsprechender Folgesatz als ungehörig erweisen kann?«