Da nun begab sich der ehrwürdige Assaji, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, auf den Almosengang nach Vesālī. Saccako aber, der junge Nigaṇṭher, spazierte gerade in den Straßen Vesālīs auf und ab, hin und her, {228} und sah den ehrwürdigen Assaji von ferne herankommen. Als er den ehrwürdigen Assaji gesehn ging er auf ihn zu, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und trat an seine Seite. Hierauf nun sprach Saccako der junge Nigaṇṭher zum ehrwürdigen Assaji also:

»Wie unterweist denn, verehrter Assaji, der Asket Gotamo seine Jünger, und welcherart ist die Belehrung, die bei den Jüngern des Asketen Gotamo am meisten gilt?«

»So, Aggivessano, unterweist der Erhabene seine Jünger, und solcherart ist die Belehrung, die bei den Jüngern des Erhabenen am meisten gilt. ›Der Körper, ihr Mönche, ist vergänglich, das Gefühl ist vergänglich, die Wahrnehmung ist vergänglich, die Unterscheidungen sind vergänglich, das Bewusstsein ist vergänglich. Der Körper, ihr Mönche, ist wesenlos, das Gefühl ist wesenlos, die Wahrnehmung ist wesenlos, die Unterscheidungen sind wesenlos, das Bewusstsein ist wesenlos. Alle Unterscheidungen sind vergänglich, alle Dinge sind wesenlos.‹ So, Aggivessano, unterweist der Erhabene seine Jünger, und solcherart ist die Belehrung, die bei den Jüngern des Erhabenen am meisten gilt.«

»Schlechtes, wahrlich, haben wir gehört, Assaji, die wir solche Rede des Asketen Gotamo gehört haben! O dass wir doch gelegentlich einmal mit jenem verehrten Gotamo zusammenträfen, dass doch irgend eine Unterredung stattfände, damit wir diese verderbliche Ansicht erledigten!«

Zu jener Zeit nun waren die Licchavī-Fürsten mit ihrem Gefolge, fünfhundert Mann stark, im städtischen Herrenhause zusammengekommen, irgend eine Angelegenheit zu berathschlagen. Da nun begab sich Saccako der junge Nigaṇṭher dorthin wo die Licchavier weilten, und sprach hierauf also zu ihnen:

»Mögen die erlauchten Licchavier zugegen sein, mögen die erlauchten Licchavier zugegen sein! Heute wird zwischen mir und dem Asketen Gotamo eine Disputation stattfinden. Wenn mir da der Asket Gotamo ebenso entgegentritt, wie einer seiner bekannten Jünger, der Mönch Assaji, mir entgegengetreten ist, so werde ich den Asketen Gotamo, gleichwie etwa ein starker Mann einen langhaarigen Widder bei den Haaren ergreifen, heranziehn, herumziehn, rings herumziehn mag, mit der Rede heranziehn, herumziehn, rings herumziehn; oder gleichwie etwa der starke Knecht eines Branntweinbrenners das große Filtriergeflecht in einen tiefen Wasserpfuhl werfen, am einen Ende festhalten, heranziehn, herumziehn, rings herumziehn mag, so werde auch ich den Asketen Gotamo mit der Rede heranziehn, herumziehn, rings herumziehn; oder gleichwie etwa ein rüstiger Branntweinsäuberer das Destilliersieb am Henkel packen, {229} hinschwenken, herschwenken, ausseihen mag, so werde auch ich den Asketen Gotamo mit der Rede hinschwenken, herschwenken, ausseihen; oder gleichwie etwa ein sechzigjähriger Elephant in einen tiefen Lotusweiher steigt und ein sogenanntes Spritzbad zur Erholung vornimmt, so gedenke auch ich mit dem Asketen Gotamo eine Art Spritzbad zur Erholung vorzunehmen. Mögen die erlauchten Licchavier zugegen sein, mögen die erlauchten Licchavier zugegen sein! Heute wird zwischen mir und dem Asketen Gotamo eine Disputation stattfinden.«

Da sagten einige der Licchavier: »Wie nun? Wird der Asket Gotamo das Wort Saccakos, des Nigaṇṭhersohns, aufheben, oder wird Saccako, der Nigaṇṭhersohn, das Wort des Asketen Gotamo aufheben?« Andere der Licchavier sagten: »Wie nun? Wird dieser Prahler Saccako, der Nigaṇṭhersohn, das Wort des Erhabenen aufheben, oder wird der Erhabene das Wort Saccakos, des Nigaṇṭhersohns, aufheben?« Und Saccako Nigaṇṭhaputto begab sich nun, von den fünfhundert Licchaviern begleitet, zum Großen Walde, zur Halle der Einsiedelei.

Um diese Zeit nun erging sich eine Schaar Mönche im Freien. Da trat Saccako der junge Nigaṇṭher zu den Mönchen heran und sprach also zu ihnen:

»Wo weilt denn, Liebe, der verehrte Gotamo jetzt? Wir möchten gern jenen verehrten Gotamo sehn!«

»Der Erhabene, Aggivessano, hat sich in den Großen Wald begeben und weilt bis gegen Abend unter einem Baume sitzend.«