»‚Büßer, Büßer sind’s‘: so denken, ihr Mönche, von euch die Leute. Ihr aber, wenn ihr gefragt werdet: ›Was seid ihr?‹, bekennet: ›Wir sind Büßer.‹ Die ihr also bekannt seid, ihr Mönche, die ihr euch also bekennet, ihr habt auch die Pflichten zu üben: ›Was den Büßern, was den Heiligen obliegt, das haben wir auf uns genommen und werden es erfüllen. Und so soll dieser Name, den man uns giebt, wahr und unser Bekenntniss wirklich sein. Und für das Almosen von Kleidung, Speise, Obdach und Arzenei, dafür sollen die Geber bei uns hohen Lohn erlangen, hohe Förderung. Unsere Pilgerschaft aber soll nicht unfruchtbar bleiben, sondern Zweck und Ziel erwirken.‹

»Was aber, ihr Mönche, obliegt den Büßern, obliegt den Heiligen? ›Schaamhaft und dehmüthig wollen wir sein‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig: genug ist’s, gethan ist’s, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? {272} ›Geläutert sei unser Wandel, offen und ehrlich, nicht heimlich und verhohlen; und dieses geläuterten Wandels halber werden wir uns nicht überheben, noch die anderen geringschätzen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel: genug ist’s, gethan ist’s, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Geläutert sei unsere Rede, offen und ehrlich, nicht heimlich und verhohlen; und dieser geläuterten Rede halber werden wir uns nicht überheben, noch die anderen geringschätzen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede: genug ist’s, gethan ist’s, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Geläutert sei unser Sinn, offen und ehrlich, nicht heimlich und verhohlen; und dieses geläuterten Sinnes halber werden wir uns nicht überheben, noch die anderen geringschätzen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn: genug ist’s, gethan ist’s, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Geläutert sei unser Leben, offen und ehrlich, nicht heimlich und verhohlen; und dieses geläuterten Lebens halber werden wir uns nicht überheben, noch die anderen geringschätzen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn, geläutert das Leben: {273} genug ist’s, gethan ist’s, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Die Thore der Sinne lasset uns hüten. Erblicken wir mit dem Gesichte eine Form, so fassen wir keine Neigung, keine Absicht. Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gesichtes verweilt, befleißigen wir uns dieser Bewachung, hüten wir das Gesicht, wachen wir eifrig über das Gesicht. Hören wir mit dem Gehöre einen Ton — riechen wir mit dem Geruche einen Duft — schmecken wir mit dem Geschmacke einen Saft — tasten wir mit dem Getaste eine Tastung — erkennen wir mit dem Gedenken ein Ding, so fassen wir keine Neigung, fassen keine Absicht. Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gedenkens verweilt, befleißigen wir uns dieser Bewachung, hüten wir das Gedenken, wachen wir eifrig über das Gedenken‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn, geläutert das Leben, die Thore der Sinne hüten wir: genug ist’s, gethan ist’s, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Beim Essen lasset uns Maaß halten, jeden Bissen gründlich betrachten, nicht etwa zur Letzung und Ergetzung, nicht zur Schmuckheit und Zier, sondern nur um diesen Körper zu erhalten, zu fristen, um Schaden zu verhüten, um ein heiliges Leben führen zu können: ‚So werd’ ich das frühere Gefühl abtödten und ein neues Gefühl nicht aufkommen lassen, und ich werde ein Fortkommen haben, ohne Tadel bestehn, mich wohl befinden‘‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn, geläutert das Leben, die Thore der Sinne hüten wir, beim Essen halten wir Maaß: genug ist’s, gethan ist’s, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr mochtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Der Wachsamkeit wollen wir uns weihen. Bei Tage werden wir, gehend und sitzend, das Gemüth von trübenden Dingen läutern; in den ersten Stunden der Nacht werden wir, {274} gehend und sitzend, das Gemüth von trübenden Dingen läutern; in den mittleren Stunden der Nacht werden wir uns dann wie der Löwe auf die rechte Seite hinlegen, einen Fuß über dem anderen, gesammelten Sinnes, der Zeit des Aufstehns gedenkend; in den letzten Stunden der Nacht werden wir uns wieder erheben und, gehend und sitzend, das Gemüth von trübenden Dingen läutern‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn, geläutert das Leben, die Thore der Sinne hüten wir, beim Essen halten wir Maaß, haben uns der Wachsamkeit geweiht: genug ist’s, gethan ist’s, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Mit klarem Bewusstsein wollen wir uns wappnen. Klar bewusst beim Kommen und Gehn, klar bewusst beim Hinblicken und Wegblicken, klar bewusst beim Neigen und Erheben, klar bewusst beim Tragen des Gewandes und der Almosenschaale des Ordens, klar bewusst beim Essen und Trinken, Kauen und Schmecken, klar bewusst beim Entleeren von Koth und Harn, klar bewusst beim Gehn und Stehn und Sitzen, beim Einschlafen und Erwachen, beim Sprechen und Schweigen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn, geläutert das Leben, die Thore der Sinne hüten wir, beim Essen halten wir Maaß, haben uns der Wachsamkeit geweiht, sind mit klarem Bewusstsein gewappnet: genug ist’s, gethan ist’s, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.