FUSSNOTEN
[1] abhibhū, der Uebermächtige, der Ueberwältiger, ist nicht etwa eine Hypostase Brahmās (die ja sammt und sonders ad absurdum geführt werden, e. g. DN vol. I. p. 17 f., 221 f.), sondern es ist der Weltüberwinder, der Jino. Cf. MN vol. I. p. 171.[2] nibbānam: von √van wollen, wünschen, wähnen; siehe meinen »Wahrheitpfad«, 1. Aufl., p. 155. Zur Etymologie vergl. noch Theragāthā v. 689 ff. Manussabhūto sambuddho vanā nibbānam āgato; zur Semasiologie SN vol. II. p. 118 Bhavanirodho nibbānan ti.[3] buddho erwacht; vergl. paṭibuddho wiedererwacht, MN vol. I. p. 365.[4] die Reihe appicchatā, santuṭṭhī, sallekhā, subharatā, viriyārambhā weist auf die wahre Abstammung von sallekhā, sallekho hin: nicht aus likh°, sondern aus lagh° hat sich entwickelt saṃlaghuka, sallahuka, sallaukha, salloekha, sallekho. — In sallikhitagatto, SN vol. I., p. 82, ist das i dialektische Differenzierung, wie bei nisinno für niṣaṇṇas.[5] pubbe ’va sambodhā anabhisambuddhassa bodhisattass’ eva sato: bodhisatto = bodhi + sakta, √sañj; cf. āsatto, MN I., 120, 1; AN I., 138, SN I., 212 ( CV II., 156), asatto, Suttanipāto v. 176 f. etc., ādānasattam maccudheyyam v. 1104, auch MN I, 376 manosatto = manopaṭibaddho, Suttanip. v. 473 mānasatto, SN IV., 23, 66 bhavasatto. Diese Ableitung war dem ursprünglichen Buddhismus so geläufig, dass er sie, metaphorisch, sogar auf sattva bezogen hat, siehe SN III., 190.[6] anussaranti, praesens praeteriti soliti; cf. Ekaṃ samayaṃ... viharati u. a. m. — WHITNEY, Ind. Gramm. § 777.[7] Die richtige Auslegung dieser Stelle verdanke ich GEORG BÜHLER; vergl. auch R. OTTO FRANKE in der Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes, vol. VII., p. 353. Zum Begriffe anuggaho cf. übrigens Ṛgvedaprātiśākhyam XI, 10, sammt Kommentar, mit WILSONS Viṣṇupurāṇam vol. I., p. 76 n. 1, und BURNOUFS Bhāgavatapurāṇam VII, 9, 48.[8] Magen für antam (von antaram ) ergiebt sich aus SN vol. II. p. 270, lin. ult.[9] Freie Brüder = Nigaṇṭhā, wörtlich Knotenlose, einer der Zweige der großen Sekte der Jainās die noch heute in Indien besteht, gegründet von Nāthaputto, einem Zeitgenossen Gotamos. Vergl. Anm. 24.[10] Die tief im Wesen des Ordens begründete Geringschätzung aller Riten (vergl. die keineswegs seltene Ehibhikkhu-upasampadā ) giebt sich auch hier, fast überraschend, zu erkennen: selbst die, Vin. vol. I. p. 159, klar normierte Pavāraṇā -Feier mag der Mönch, ganz nach Belieben, mitmachen oder nicht mitmachen, es gilt gleich; wie eben schon ein alter, dem Śaṉkhas ( Saṇh. VII, 16, 4) zugeschriebener Spruch sagt: Hṛdi sarvam pratiṣṭhitam.[11] Hohe schlanke Bäume voller wohlriechender Blüthen; die köstliche Frucht, von außen wie eine große grüne Orange anzusehn, heißt Bilva.[12] bhavābhavo ist hier zu erklären wie kusalākusalam, sāvajjānavajjam, karaṇīyākaraṇīyam, maggāmaggo u. a., AN vol. I. p. 129, 174, II. 37; vergl. insbes. das 49. Itivuttakam, Suttanipāto v. 6 u. 514, DN vol. I. p. 179.[13] Vergl. Anmerk. 28.[14] Die ersten sieben Gleichnisse werden in der 54. Rede näher erklärt: Ein kahler Knochen, ohne Fleisch, abgeschabt, blutbefleckt, vom Schlächter einem halbverhungerten Hunde zugeworfen; ein Fleischfetzen, von einem Geier gepackt, doch von anderen herniederstürzenden Geiern im Kampf auf Leben und Tod entrissen; eine Strohfackel, die gegen den Wind getragen gar bald Hand, Arm und Leib ergreift; eine Grube voll glühender Kohlen, die dem Hineingestoßenen jämmerliches Unheil bereitet; Gärten, Haine, Gewässer, die man im Traum gesehn hat, aber wiedererwacht ( paṭibuddho ) vergebens suchen würde; ein zusammengeborgter Schatz, mit dem man am Markte großthut: aber die Eigner kommen und nehmen ihn weg; Nüsse, die einer, der klettern kann, auf hoher Palme oben sitzend pflückt: aber ein anderer, der nicht klettern kann, kommt mit scharfem Beile versehn heran und hackt auf den Stamm los, die Nüsse zu kriegen. — Die weiteren drei Gleichnisse kommen a. a. O. nicht vor, sind übrigens allgemein verständlich.[15] Der Text fügt hier als Kommentar, gleichsam in Klammern, hinzu: suttaṃ geyyaṃ veyyākaraṇaṃ gātham udānam itivuttakaṃ jātakam abbhutadhammaṃ vedallaṃ — eine augenfällige Interpolation.[16] sabbasaṇkhārasamathāya; cf. meine »Buddhistische Anthologie«, Leiden 1892, p. XXV.[17] mārassa pāpimato; cf. die 28. Anmerkung. Māro, personifiziert, ist der indische Große Pan.[18] Dieses Bewusstsein ist gleich dem inneren Sinn, d. h. dem Bewusstsein von der Unendlichkeit der Zeit.[19] pubbāpayamāno: pubbe apayamāno, von payate.[20] Sahampati ist Eigenname dieses Brahmā, wie Bako, der Blitzstrahl, in der 49. Rede, oder Sanaṉkumāro, Der ewige Jüngling, in der 53. Rede (auch DN No. 3, 27 und SN, vol. I. p. 153), Eigennamen anderer gleichzeitiger und gleichmächtiger Brahmās sind. Sahampati ist nur par parum.[21] Die Umgebung von Benāres, wald- und wasserreich, ist flach: doch sieht man hier und da anmuthige kleine Erd- und Steintumuli, von mächtigen Bäumen und Baumgruppen umstanden. Ein solcher dürfte auch der Seherstein, Isipatanam, gewesen sein. Eine Tagereise Bahnfahrt ost-südöstlich liegt die uralte Gayāstadt, an der freundlichen, hellen Gayā, die heute Phalgu genannt wird; ein schöner Spaziergang den Fluss entlang führt zum berühmten Tempel des Dorfes Buddh’ Gayā. Ureli, einst Uruvelā, ist einen Tagemarsch weiter nach Süden gelegen, drüben, am rechten Ufer, an einem Knie der hier Lilañjā, früher Nerañjarā genannten mittleren Gayā. Die Landschaft mit ihren schattigen Auen und weiten Wiesen und sanften bewaldeten Hügeln und Felsen im Hintergrund erinnert, bei auffallend zurücktretender Tropenvegetation, an die untere Maingegend.[22] sāvakā: hier gleich upāsakā, gegenüber den späteren samaṇā; cf. Asokos Felsenedikt von Rūpnāth, l. 1, mit der entspr. Stelle von Sahasarām.[23] tathāgatapadam.[24] Siṇh. Mss haben uns diese offenbar ältere und bessere Variante zu nāta 0 und nāṭa 0 erhalten; vergl. FEER im Journal asiatique, April-Juni 1887, p. 314 Anm. 2; SN, vol. I, p. 68 Anm. 7, AN I, 220 (B = SS?), DN I, 49, 57 f., auch Vinayapiṭakam I, 385. Nāthaputto ist »der Sohn aus fürstlichem Hause«, wörtlich »der junge Herr«, analog dem späteren Nāthakumāras; cf. auch die beliebten Namen Viśvanāthas, Bhoganāthas, Rāmanāthas, Jagannāthas, Lokanāthas, Dharmanāthas, Yoganāthas, Bhāvanāthas, Viranāthas und noch ein dutzend ähnlicher. Die Nāthakṣatriyās nun aus einem imaginierten Jñātavaṃśas abzuleiten ist ein würdiges Kommentatorenstücklein, das denn auch unsere Jainologen gläubig hingenommen haben, ohne Kritik. Der allerdings befremdliche Uebergang des ha in ya ist nämlich, wenn nicht etwa bloß ein alter Irrthum vorliegt, zu erklären nach Hemacandras I. 214 (vergl. 249, 250), ta:ha = ta:ya. Es wurde also nātha 0 zunächst regelrecht nāha 0: dieses aber, nach Hem. l. c., hier fälschlich auf nāta 0 bezogen, musste nāya 0 ergeben. Eine volle Bestätigung von seiten der Inschriften wird sich vielleicht im Laufe der Zeiten finden. Einstweilen genüge BÜHLERS Nachweisung verballhornter Namen, Ep. Ind. I. 378, ferner die Statue des 3. Jinas Sambhavanāthas, ib. 153, und endlich der alles eher als zufällig gewählte Name Pārśvanāthas für Nāthaputras’ quasi Vorgänger. — Der Dialektiker Saccako ist möglicherweise des Nigaṇṭhers bekannter Tochtermann ( jāmātā ), der das erste Schisma unter den Jainās verursacht haben soll. Die Charakteristik in unserer 35. und 36. Rede trifft genau zu. Jāmātā ~ jāmas, jāmis, mit dem prākṛtischen Personalsuffixe li verziert, mag später Nom. propr. geworden sein; cf. Jābāli. Die irrige Uebertragung von Saccakos gotram auf das seines Schwiegervaters und mütterlichen Oheims, DN vol. I. p. 57, scheint darauf zu beruhen, dass man den Nigaṇṭhaputto für den leiblichen Sohn gehalten hat, ein verzeihliches Versehn, »als dan noch bey uns heutigen tag der brauch ist, dasz der schweher sein tochterman sein sun heist«: Aventin vol. IV. p. 728. — Buddhaghosos Variante Nigaṇṭhiputto weist übrigens direkt auf die Mutter hin; ob auf Grund geschichtlicher Ueberlieferung oder geschwätziger Allwissenheit, wage ich nicht zu entscheiden.[25] Diese wohlbekannten neun phāsuvihārā hat wohl Asoko gemeint, wenn er, auf dem Bairāter Edikt I. 5, von den aliyavasāni spricht: denn sie heißen auch ariyavisesā, z. B. in der folgenden Rede. — Freilich ließe sich noch an den ariyūposatho, AN III. No. 70, und an die Dekade im Saṉgītisuttam denken. Für Asokos aliyavasāni = phāsuvihārā spricht noch Khuddakapāṭho IV, 9 santāvāsā (so ist zu lesen) = MN vol. I. p. 42 santā vihārā. Als 6. Fassung derselben Begriffe sei hier noch anupubbavihārā gegeben: Paṭtisambhidāmaggo, Pāli-Mss NEUMANN No. 5 fol. ki. — Der von Asoko im selben Edikt als moneyasūte belobte Text ist weder im Sāmaññaphalasuttam noch im AN III. No. 120, wie OLDENBERG Vin. I. XL 1 vermuthet hat, wohl aber im 2. Theil des Nālakasuttam des Suttanipāto, vv. 699–723, mit voller Sicherheit wiederzuerkennen. Der selben, dem götterbegnadeten Gnadenreich so sympathischen Sammlung könnte auch der Upatisapasine entnommen sein: der unermüdliche Prediger der ahiṃsā hätte damit nämlich das Sāriputtapañhasuttam (vv. 955–975) empfehlen wollen, keineswegs die erst später zu hohem Ansehn gelangte dunkle metaphysische Formel ye dhammā hetuppabhavādi. Die Verse 964/5 stellten die Anāgatabhayāni im Auszuge dar. Wahrscheinlich aber wird unsere 24. Rede gemeint sein, welcher der Titel Upatissapañho ganz eigentlich zukommt und die überdies noch durch e—cā unserer 61. Rede, dem Rāhulovādo, verbunden ist: Asokos allgemeine Angabe bhagavatā bhāsite widerspricht, im Grunde genommen, nicht.
[26] Mönchen und Nonnen, Anhängern und Anhängerinen.
[27] Unterkleid, Oberkleid und doppelte Toga; vergl. Mahāvaggo p. 287 ff.[28] māradheyyam, amāradheyyam, maccudheyyam, amaccudheyyam. — māradheyyam wörtlich: das Reich der Mortur, genau wie SCHOPENHAUER den Ausdruck anwendet, Nachlass Bd. IV., § 551.[29] lies: rūpattāyam, vedanattāyam etc.[30] Das waren die Häupter jener ante- und conbuddhistischen Wunderbaren Heiligen, der Unbekleideten ( Acelakos ), der Ungebundenen ( Muttācāros ͠= Ājīvikos ), der Handverköster ( Hatthāpalekhanos ). Die Geißelung aber war diese, dass der völlig Nackte, der nicht einmal einen Napf besaß, das Almosen nicht zum Munde führen, sondern nur aus seiner Hand aufschlürfen durfte. Vergl. hierzu das Kukkuravatikasuttantam, MN No. 57, wo noch inbrünstigere Geißelbrüder die Sache cagnescamente, bez. vacchescamente betreiben, u. a. m. Acelakā, vivasanā, muttavasanā, muttācārā, naggacariyā (cf. Dhp. v. 141), digambarā, nigaṇṭhā (cf. Suttanip. v. 381) sind übrigens Synonyme und gehören unter den Begriff des kṣapaṇājīvas, als dessen bekannteste Vertreter sich bis auf den heutigen Tag die Jainās erhalten haben.[31] Zu unseren fünf Sinnen zählen die Inder als sechsten die Funktion des Denkens hinzu: Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack, Getast, Gedenken. Vergl. die 9., 10. und 11. Rede.[32] Die Antithesen samaṇo: samitā, brāhmaṇo: bāhitā, nahātako: nahātā, vedagū: viditā, sottiyo: nissutā, ariyo: ārakā, araham: ārakā sind metaphorisch angewandt, nicht etymologisch: denn dass der Buddho die wahren Etymologien nicht gekannt habe, ist bei seiner gründlichen Vertrautheit mit dem Brāhmanenthume ( DN ) kaum anzunehmen. — Vergl. die tiefsinnige Ableitung des rūpam von √rup = √lup, SN vol. III. p. 86; auch Suttanip. v. 1121. Ebenso loko von √luj, SN vol. IV. p. 52.[33] Einen trefflichen Auszug dieser Reden, die auch heute noch im Volke recht beliebt sind, giebt Asoko auf seinem 11. Felsenedikt.[34] vibhavataṇhā; vibhavo = vibhu, vibhūti, ist hier positiv. Der Gebrauch κατ’ ἐναντιοτην findet sich ebenso oft, z. B. MN vol. I. p. 65: da ist vibhavo in den negativen Pol umgeschlagen und ist gleich abhavo, nämlich jenem Begriffe, der scharf hervortritt in dem reinen Dvandvam bhavābhavo, Sein und Nichtsein — wohl zu unterscheiden von dem gleichlautenden Āmreḍitam. Cf. die Anm. 12 und die schönen Belegstellen im P. W.[35] Vergl. die 30. Anm. Zur Fastenübung: Manus XI, 216/18, VI, 19/20. Der addhamāsiko pariyāyabhattabhojanānuyogo ist ohne Zweifel eine Gattung des c āndrāyaṇam, der Mondesrunde: von Vollmond bis Neumond von 15 auf 0 Bissen täglicher Nahrung fallend und dann wieder bis 15 Bissen steigend; eine Hungerkasteiung von je ½ Monat, die bei den Brāhmanen in höchstem Ansehn steht. Kṛcchrātikṛcchrau cāndrāyaṇam iti sarvaprāyaścitaṃ sarvaprāyaścitaṃ, und etam āptvā vipāpo vipāpmā sarvam eno hanti sagt Gautamas XIX. 20, XXVII. 16. — Theile der folgenden dukkarakārikā lassen sich, parallel oder gar wörtlich, wiedererkennen Man. VI, 5, 6, 13, 21, 22, XI, 223, 224. Ebenso schon in den Sūtren Gautamas’, Baudhāyanas’, Āpastambas’. Recht ergiebig ist, als Nachprobe, eine Vergleichung der Fragmente des MEGASTHENES, siehe besonders p. 135–141 und 155–160 ed. SCHWANBECK. So heißt es, wie auf unseren Text bezogen, p. 139, 22 Ἀτκειν δε και τουτους κἀκεινους καρτεριαν, τηη δε ἐν πονοις και την ἐν ταις ὑπομοναις, ὡςτ’ ἐφ’ ἑνος σχηματος ἀκινητον διατελεται την ἡμεραν ὁλην. Mit letzterem Beispiele sind ganz gewiss die Stetigsteher gemeint (möglicherweise zugleich auch die Jainās, vergl. unseren Text p. 147), während die im selben Fragmente sub 19 genannten ἐσθητες ἀπο φλοιων δενδρειων Rinden- und Laubflechten sein sollen. Der Acelako, den der Begleiter ALEXANDERS, ARISTOBULOS, schildert als ὑπτιον πεσοντα ἁνεχεσθαι των ἡλιων και των ὀμβρων (bei STRABO, ed. MEINEKE p. 995, 6 ) hat sein Vorbild in dem sehr alten Spruche unserer 12. Rede, p. 147. Die zwar allgemein gehaltene Mittheilung STRABOS, ὡς δ’ εἰπεν, Ἰνδους ... ἀναρλεκομενους δε μιτρουτθαι τας κομας (l. c. 1002, 5 ), dürfen wir doch wohl insbesondere von den Jaṭilos gelten lassen. Die Hatthāpalekhanos sind uns als ταις χερσι ὑδωρ πινξντες überliefert von CLEMENS ALEXANDR. (nach Historiographen? nach Pantänus?) Strom. I., ed. SYLBURG p. 305B.[36] sotāpatti, die Hörerschaft, nicht von √sru, sondern von √śru, daher sotāpanno und ohitasoto: Der gehört hat und Der offene Ohren hat. — Vergl. MN vol. I. p. 169, 172, 445, 480, 512. SN vol. II. p. 68–70, vol. IV. p. 138, No. 152 ( aññatra anussavā ), AN vol. I. p. 198 No. 6, vol. II. p. 116 f. und ib. 185 sotānugato, DN vol. I. p. 230 f., Mahāparin. p. 39. Ein sotāpanno ist schon der sāvako: nämlich der sutavā ariyasāvako ariyānaṃ dassāvī; im SN vgl. II. p. 43 noch deutlicher genannt dhammasotaṃ samāpanno.
Bei dem hohen Werthe des gesprochenen Wortes, der selbst vor der kleinsten Rede durch die Versicherung Evam me sutam bekräftigt wird, könnte das Buddhavacanam wohl auch als Sutapiṭakam gelten. Vom sutantiko zum suttantiko = śrutvāntika s wäre der Schritt jedenfalls näher als zum sottantiko = sautrāntikas, zumal für unseren Kanon nicht leicht etwas unzutreffender sein kann als der Begriff des sūtram, und nichts zutreffender als der des sutam. Es spielt keine Rolle, wenn gelegentlich einmal, wie Vinayapiṭ. vol. III. p. 8 f. (cf. Dhp. vv. 44, 45), von der Lehrmethode als von dem die Blumen zusammenhaltenden Baste, suttam, gesprochen wird, was nicht mehr und nicht weniger als ein Gleichniss wie hundert andere sein will. Ein dunkles Gefühl der Sache, sprachlich bedingt und rückgedeutet, lässt sich bei Asoko und Späteren mehr vermuthen als nachweisen: cf. Epigraphia Indica vol. II. p. 105 No. 79, p. 106 No. 80, p. 400 No. 59. — Die Sprache aber war die Magadhās, und zwar die gewählte Rede, nicht der schwankende Kanzleipatois der Edikte. Und dass dieses unser Pāli wirklich von Magadhā bis nach Zeilon herab rein überliefert wurde, dafür gewährt uns die Stelle Cullavaggo p. 139 starken Anhalt. Zwei Jünger, früher brāhmanische Gelehrte, wird da erzählt, wollen das Buddhavacanam in gebundenes Saṃskṛt übertragen. »Denn es giebt jetzt viele Jünger, aus den verschiedensten Kasten und Ständen: die verderben das Meisterwort in seiner Sprache« — trüben seine Reinheit, meinen sie; in vedischem Saṃskṛt bliebe es Unberufenen unzugänglich. Der Meister aber weist den Vorschlag ab und sagt: Anujānāmi bhikkhave sakāya niruttiyā buddhavacanam pariyāpuṇitum, ‚Das Meisterwort, ihr Mönche, soll in seiner Sprache gelernt werden.‘ Das ist die richtige Uebersetzung, und nicht wie OLDENBERG meint, jeder solle in seinem eigenen Dialekt die Lehre lernen ( Vinayapiṭ. vol. I. p. XLVIII, Sacred Books East vol. XX. p. 151, Buddha 2 p. 192). Wäre dies gemeint, dann müsste die Klage der brāhmanischen Jünger lauten: te sakāya sakāya niruttiyā buddhavacanaṃ dūsenti oder te puthu sakāya n 0 oder te sakāhi niruttīhi 0 oder te nānāniruttīhi 0 oder ähnlich. Der klare Wortlaut aber ist te sakāya n 0, und der ist frei von jeder Zweideutigkeit, kann sich lediglich auf buddhavacanam beziehn, wie es übrigens die Tradition, grammatisch freilich ungenügend, stets gethan hat.
Durch das gehörte, verstandene Wort wurde also der Kanon, bis zur Fixierung, mündlich bewahrt. Der schon längst vorher in Indien gepflegten Schrift haben sich weder der Meister noch die eigentlichen Jünger bedient, wie dies eben in der Art ihres Ordens begründet war. Mag dieser immerhin brahmacariyaṃ saṉkhalikhitam ( MN I, 179, 267, DN I, 63, passim) genannt worden sein: der Ausdruck ist älter als der Buddhismus und von den Brāhmanen überkommen, vergl. Vorrede p. XX. — Zur Erklärung des letzteren Begriffes sei hier noch erwähnt, dass saṉkhalikhitam, Punkt für Punkt, wörtlich heißt: der Reihe nach geschrieben; cf. MN I, 105 ff. saṉkhā pi, erst nach einer Reihe (von Tagen, Gegensatz: yāvajīvam 106, 108), auch 109 I. 3 v. u. ff., und P. W. 1 s. v. śaṉkha No. 5 ( mahāśaṉkha No. 3), das, prākṛtisch wie es ist, eher zu saṉkhya als zu κογχη etc. gehört. Zwar liefert nun die Tradition auch hier, wie oft, eine richtige interpretatio finalis, aber das etymologische Verständniss ist ihr, schon seit dem 12. Buche des Mahābhāratam, total abhanden gekommen: die Geschichte von den altehrwürdigen Gesetzgebern Saṉkhas und Likhitas verdient, trotz der je unter einem der beiden soi-disants Namen zusammengestellten, hier und da recht alterthümlichen längeren, bez. kurzen Vaiṣṇavasaṃhitā, gewiss nur ebenso viel Glauben wie die vom Reliquienschäffler Doṇo, Mahāparin. p. 69. Jene uralten, wahrscheinlich praehistorischen Symboloiden aber, das cakram, die caityās, der svastikas, padmas, śeṣas, śaṉkhas (vergl. bes. BÜHLER, Ep. Ind. vol. II., p. 323, I. 8–12), kommen hier, als dem Geist und der Form durchaus widersprechend, nicht in Betracht. Mysteriolemmata und Mahāmudrās haben im Theravādo keinen Platz gefunden.
[37] bako von √vak, vaṉk = kauṭilye im ursprünglichen Sinne: zickzacksein; entspricht volvi, volo [»fulmina volant«], τραπω, ἀστραπη. Daher wird auch Yāskas’ und seiner Vorgänger Erklärung zu bakuras, Ṛgv I, 117, 21, wohl richtig sein. Die allerdings verlockende tropische Potenzierung, nach dem Muster der Purāṇen, scheint mir hier kaum mehr als in tautophoner Prosonymie zulässig. Siehe die 20. Anmerkung.[38] lies: mā h’eva te rittakam eva ahosi tucchakam eva ahosi viññāṇam anidassanam anantaṃ sabbato paham. Siehe die Schlussverse des Kevaṭṭasuttantam, Dīghanikāyo vol. I. p. 223. Die Variante pabhaṃ wäre von √bhañj abzuleiten; cf. bhaṃgo, pabhaṃgu, pabhaṃguṇo: Jātakam vol. I. p. 392 lin. ult., p. 393 lin. 3., Dhammapadam v. 148, Therīgāthā v. 140, Itivuttakam p. 37, Saṃyuttakanikāyo vol. III. p. 32. Doch ist in siṇhalesischer wie barmanischer Schrift das bha dem ha sehr ähnlich, und eine Verwechslung mag schon früh aufgekommen sein. — Zum Folgenden vergl. die vier Verse am Ende des Dhammahadayavibhaṉgasuttam (im Suttasaṉgaho No. 13), deren zweiter lautet:
Tāva dīghāyukā devā
Sattā cavanti saṉkhayā:
N’atthi koci bhavo nicco —