MADHURO
{421}Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der ehrwürdige Mahākaccāno bei Madhurā, im Riedmoor.
Und es hörte König Madhuro von Avanti reden: ›Ein Asket, und zwar der würdige Kaccāno, weilt bei Madhurā, im Riedmoor. Diesem würdigen Kaccāno geht aber allenthalben der frohe Ruhmesruf voran: ‚Gelehrt ist er und weise und tiefsinnig, er hat viel erfahren, ist wohlberedt und weiß was frommt, ist alt und ehrwürdig. Glücklich wer da nun solche Heilige sehn kann!‘‹
Und König Madhuro von Avanti ließ viele prächtige Wagen bespannen, bestieg selbst einen solchen und fuhr also mit überaus reichem königlichen Gepränge aus der Stadt hinaus, den ehrwürdigen Mahākaccāno zu besuchen. So weit gefahren als man fahren konnte, stieg er vom Wagen ab und ging dann zu Fuße dorthin wo der ehrwürdige Mahākaccāno sich aufhielt. Dort angelangt wechselte er höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und setzte sich seitwärts nieder. Zur Seite sitzend wandte sich nun König Madhuro von Avanti also an den ehrwürdigen Mahākaccāno:
»Die Priester, o Kaccāno, reden also: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās.‹[161] {422} Was hält nun Herr Kaccāno davon?«
»Gerede nur, großer König, ist es unter den Leuten. Darum muss man es eben, großer König, je nach dem Umstand beurtheilen, ob es bloßes Gerede ist unter den Leuten: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās.‹ Was meinst du wohl, großer König: so da ein Krieger zu Reichthum gelangt, an Geld und Gut, an Silber und Gold, mag da ein Krieger vor ihm aufstehn und nach ihm sich hinlegen, seinen Befehlen gehorchen, thun was ihm angenehm, reden was ihm recht ist? Und mag ein Priester, und mag ein Bürger, und mag ein Diener vor ihm aufstehn und nach ihm sich hinlegen, seinen Befehlen gehorchen, thun was ihm angenehm, reden was ihm recht ist?«
»So da ein Krieger, o Kaccāno, zu Reichthum gelangt, an Geld und Gut, an Silber und Gold, mag wohl ein Krieger vor ihm aufstehn und nach ihm sich hinlegen, seinen Befehlen gehorchen, thun was ihm angenehm, reden was ihm recht ist; und mag ein Priester, und mag ein Bürger, und mag ein Diener vor ihm aufstehn und nach ihm sich hinlegen, seinen Befehlen gehorchen, thun was ihm angenehm, reden was ihm recht ist.«
»Was meinst du wohl, großer König: so da ein Priester, {423} so da ein Bürger, so da ein Diener zu Reichthum gelangt, an Geld und Gut, an Silber und Gold, mag da ein Priester vor ihm aufstehn und nach ihm sich hinlegen, seinen Befehlen gehorchen, thun was ihm angenehm, reden was ihm recht ist? Und mag ein Krieger, und mag ein Bürger, und mag ein Diener vor ihm aufstehn und nach ihm sich hinlegen, seinen Befehlen gehorchen, thun was ihm angenehm, reden was ihm recht ist?«
»So da ein Priester, o Kaccāno, so da ein Bürger, so da ein Diener zu Reichthum gelangt, an Geld und Gut, an Silber und Gold, mag wohl ein Priester vor ihm aufstehn und nach ihm sich hinlegen, seinen Befehlen gehorchen, thun was ihm angenehm, reden was ihm recht ist; und mag ein Krieger, und mag ein Bürger, und mag ein Diener vor ihm aufstehn und nach ihm sich hinlegen, seinen Befehlen gehorchen, thun was ihm angenehm, reden was ihm recht ist.«
»Was meinst du wohl, großer König: ist es also, sind da diese vier Kasten einander gleich, oder sind sie es nicht, oder wie denkst du darüber?«