»Und es gelang mir, Königsohn, den Fünf verbündeten Mönchen meine Erkenntniss mitzutheilen. Erst trug ich, Königsohn, zweien Mönchen die Lehre vor, drei Mönche gingen um Almosenspeise, und was die drei Mönche an Almosenspeise brachten, das theilten wir in sechs Theile und lebten davon. Dann trug ich, Königsohn, dreien Mönchen die Lehre vor, zwei Mönche gingen um Almosenspeise, und was die zwei Mönche an Almosenspeise brachten, das theilten wir in sechs Theile und lebten davon.
»Und die Fünf verbündeten Mönche, Königsohn, von mir also belehrt, also eingeführt, hatten sich da gar bald jenes Ziel, um dessen willen edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit ziehn, die höchste Vollendung der Heiligkeit noch bei Lebzeiten offenbar gemacht, verwirklicht und errungen.«
Nach dieser Rede wandte sich Bodhi der Königsohn also an den Erhabenen:
»Wie lange braucht wohl, o Herr, ein Mönch, der den Vollendeten zum Lenker hat, um jenes Ziel, warum edle Söhne gänzlich vom Hause fort in die Hauslosigkeit ziehn, die höchste Vollendung der Heiligkeit noch bei Lebzeiten sich offenbar zu machen, zu verwirklichen und zu erringen?«
»Da will ich dir nun, Königsohn, eben hierüber eine Frage stellen: wie es dir gutdünkt magst du sie beantworten. Was meinst du wohl, Königsohn: ist dir die Kunst Elephanten zu besteigen und zu lenken genau bekannt?«
»Gewiss, o Herr, genau ist mir die Kunst Elephanten zu besteigen und zu lenken bekannt.«
»Was meinst du wohl, Königsohn: da käme ein Mann herbei: ›Bodhi der Königsohn versteht die Kunst Elephanten zu besteigen und zu lenken; bei ihm will ich diese Kunst erlernen.‹ {461} Aber er hätte kein Zutrauen, was man durch Zutrauen erreichen kann, das erreichte er nicht. Aber er wäre kränklich, was man durch Rüstigkeit erreichen kann, das erreichte er nicht. Aber er wäre listig und gleißnerisch, was man durch Ehrlichkeit und Offenheit erreichen kann, das erreichte er nicht. Aber er wäre feig, was man durch Tapferkeit erreichen kann, das erreichte er nicht. Aber er wäre blöde, was man durch Witz erreichen kann, das erreichte er nicht. Was meinst du wohl, Königsohn: könnte da nun dieser Mann die Kunst Elephanten zu besteigen und zu lenken bei dir erlernen?«
»Und hätte, o Herr, dieser Mann auch nur eine solche Eigenschaft, so könnt’ er die Kunst Elephanten zu besteigen und zu lenken bei mir nicht erlernen, geschweige mit fünf solchen Eigenschaften!«
»Was meinst du wohl, Königsohn: da käme ein Mann herbei: ›Bodhi der Königsohn versteht die Kunst Elephanten zu besteigen und zu lenken; bei ihm will ich diese Kunst erlernen.‹ Aber er hätte Zutrauen, was man durch Zutrauen erreichen kann, das erreichte er. Aber er wäre rüstig, was man durch Rüstigkeit erreichen kann, das erreichte er. Aber er wäre ehrlich und offen, was man durch Ehrlichkeit und Offenheit erreichen kann, das erreichte er. Aber er wäre tapfer, was man durch Tapferkeit erreichen kann, das erreichte er. Aber er wäre witzig, was man durch Witz erreichen kann, das erreichte er. Was meinst du wohl, Königsohn; könnte da nun dieser Mann die Kunst Elephanten zu besteigen und {462} zu lenken bei dir erlernen?«
»Und hätte, o Herr, dieser Mann auch nur eine solche Eigenschaft, so könnt’ er die Kunst Elephanten zu besteigen und zu lenken bei mir erlernen, geschweige mit fünf solchen Eigenschaften!«