»Ich war da, ihr Herren, zum Asketen Gotamo gegangen, hatte ehrerbietigen Gruß dargeboten und mich seitwärts hingesetzt. Und als ich da saß, ihr Herren, wandte sich der Asket Gotamo also an mich: ›Nicht zeigst du, Hausvater, die Züge des geistig Gefassten: es sind deine Züge verstört.‹ Also angeredet, ihr Herren, entgegnete ich dem Asketen Gotamo: ›Wie sollten auch, o Herr, meine Züge nicht verstört sein: ist mir doch, o Herr, das einzige, vielgeliebte Büblein gestorben! Und da es nun todt ist, mag ich mich weder um Arbeit noch Essen kümmern. {478} Ich geh’ immer wieder zur Leichenstätte und jammere: ‚Wo bist du, einziges Büblein, wo bist du, einziges Büblein?‘‹ — ›So ist es, Hausvater, so ist es, Hausvater. Was einem lieb ist, Hausvater, giebt ja Wehe und Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung, was von Liebem kommt.‹ — ›Wer wird da nur, o Herr, also denken: ‚Was einem lieb ist giebt Wehe und Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung, was von Liebem kommt‘; was einem lieb ist, o Herr, giebt ja Freude und Befriedigung, was von Liebem kommt.‹ So sprach ich, ihr Herren, ungehalten und verstimmt über das Wort des Asketen Gotamo, stand von meinem Sitze auf und ging fort.«

»So ist es, Hausvater, so ist es, Hausvater! Was einem lieb ist, Hausvater, giebt ja Freude und Befriedigung, was von Liebem kommt.«

Da sagte jener Hausvater: »So hab’ ich recht, mit den Würfelspielern!«; und er ging fort.

Aber dieses Gespräch verbreitete sich allmälig bis an den Hof des Königs. Und König Pasenadi von Kosalo wandte sich an seine Gemahlin Mallikā:

»Höre, Mallikā, dein Asket Gotamo hat gesagt: ›Was einem lieb ist giebt Wehe und Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung, was von Liebem kommt.‹«

»Wenn das, großer König, der Erhabene gesagt hat, dann ist es also.«

»Immer doch also giebt diese Mallikā, was auch da der Asket Gotamo sagen mag, eben aber auch alles zu: ›Wenn das, großer König, der Erhabene gesagt hat, dann ist es also.‹ Gleichwie etwa der Lehrer dem Schüler was immer auch sagen mag, und ihm der Schüler eben auf alles zustimmt, ›So ist es, Meister, so ist es, Meister‹, ebenso auch giebst du, Mallikā, was auch immer da der Asket Gotamo sagen mag, eben aber auch alles zu: ›Wenn das, großer König, der Erhabene gesagt hat, dann ist es also.‹ {479} Lass’ es gut sein, Mallikā, hör’ auf!«

Da wandte sich Königin Mallikā an den Brāhmanen Nāḷijaṉgho[185] und bat ihn:

»Begieb dich, Brāhmane, zum Erhabenen hin und bring’ dem Erhabenen zu Füßen meinen Gruß dar und wünsche Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein: ›Mallikā‹, sage, ›o Herr, die Königin, bringt dem Erhabenen zu Füßen Gruß dar und wünscht Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein;‹ und füge hinzu: ›hat wohl, o Herr, der Erhabene dieses Wort gesprochen: ‚Was einem lieb ist giebt Wehe und Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung, was von Liebem kommt‘?‹ Und wie dir der Erhabene antworten wird, das merke dir gut und melde mir. Denn die Vollendeten reden nicht unvollkommen.«

»Schön, Herrin!« entgegnete da gehorsam Nāḷijaṉgho der Brāhmane Mallikā der Königin. Und er begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, tauschte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun Nāḷijaṉgho der Brāhmane zum Erhabenen also: