»So höre denn, Hausvater, und achte wohl auf meine Rede!«

»Gewiss, o Herr!« erwiderte da aufmerksam Potaliyo der Hausvater dem Erhabenen. Der Erhabene sprach also:

{361}»‚Kein Wesen tödten lässt vom Tödten der Wesen abstehn‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich: ›Jene Fesseln, die mich zum Mörder machen könnten, die beginn’ ich zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich zum Mörder würde, so möcht’ ich gar mich selber verachten, wegen des Mordes, und, wohlüberlegt, möchten Verständige mich tadeln, wegen des Mordes, und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, stände mir üble Fährte bevor, wegen des Mordes. Das ist ja eben die Fessel, das ist die Hemmung, nämlich der Mord. Wenn aber durch Mord verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht, kann es den, der sich vom Morde fernhält, also nicht ankommen.‹ ‚Kein Wesen tödten lässt vom Tödten der Wesen abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Gegebenes nehmen lässt vom Nehmen des Nichtgegebenen abstehn‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich: ›Jene Fesseln, die mich zum Diebe machen könnten, die beginn’ ich zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich zum Diebe würde, so möcht’ ich gar mich selber verachten, wegen des Diebstahls, und, wohlüberlegt, möchten Verständige mich tadeln, wegen des Diebstahls, und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, stände mir üble Fährte bevor, wegen des Diebstahls. Das ist ja eben die Fessel, das ist die Hemmung, nämlich der Diebstahl. Wenn aber durch Diebstahl verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht, kann es den, der sich vom Diebstahl fernhält, also nicht ankommen.‹ ‚Gegebenes nehmen lässt vom Nehmen des Nichtgegebenen abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Die Wahrheit reden lässt von der Lüge abstehn‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich: ›Jene Fesseln, die mich zum Lügner machen könnten, die beginn’ ich zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich zum Lügner würde, so möcht’ ich gar mich selber verachten, wegen der Lüge, und, wohlüberlegt, möchten Verständige mich tadeln, wegen der Lüge, und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, stände mir üble Fährte bevor, wegen der Lüge. Das ist ja eben die Fessel, das ist die Hemmung, nämlich die Lüge. Wenn aber durch Lüge verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht, {362} kann es den, der sich von der Lüge fernhält, also nicht ankommen.‹ ‚Die Wahrheit reden lässt von der Lüge abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Nicht verleumden lässt von Verleumdung abstehn‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich: ›Jene Fesseln, die mich zum Verleumder machen könnten, die beginn’ ich zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich zum Verleumder würde, so möcht’ ich gar mich selber verachten, wegen der Verleumdung, und, wohlüberlegt, möchten Verständige mich tadeln, wegen der Verleumdung, und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, stände mir üble Fährte bevor, wegen der Verleumdung. Das ist ja eben die Fessel, das ist die Hemmung, nämlich Verleumden. Wenn aber durch Verleumden verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht, kann es den, der sich von Verleumden fernhält, also nicht ankommen.‹ ‚Nicht verleumden lässt von Verleumdung abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Nicht begehrlich süchten lässt von begehrlicher Sucht abstehn‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich: ›Jene Fesseln, die mich begehrlich süchten ließen, die beginn’ ich zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich begehrlicher Sucht fröhnte, so möcht’ ich gar mich selber verachten, wegen begehrlicher Sucht, und, wohlüberlegt, möchten Verständige mich tadeln, wegen begehrlicher Sucht, und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, stände mir üble Fährte bevor, wegen begehrlicher Sucht. Das ist ja eben die Fessel, das ist die Hemmung, nämlich begehrliche Sucht. Wenn aber durch begehrliche Sucht verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht, kann es den, der sich von begehrlicher Sucht fernhält, also nicht ankommen.‹ ‚Nicht begehrlich süchten lässt von begehrlicher Sucht abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Nicht rügen und schelten lässt von Rügen und Schelten abstehn‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich: ›Jene Fesseln, die mich rügen und schelten ließen, die beginn’ ich zu lösen, abzuschneiden: {363} denn wenn ich rügte und schölte, so möcht’ ich gar mich selber verachten, wegen des Rügens und Scheltens, und, wohlüberlegt, möchten Verständige mich tadeln, wegen des Rügens und Scheltens, und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, stände mir üble Fährte bevor, wegen des Rügens und Scheltens. Das ist ja eben die Fessel, das ist die Hemmung, nämlich Rügen und Schelten. Wenn aber durch Rügen und Schelten verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht, kann es den, der sich von Rügen und Schelten fernhält, also nicht ankommen.‹ ‚Nicht rügen und schelten lässt von Rügen und Schelten abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Nicht wüthen und verzweifeln lässt von Wuth und Verzweiflung abstehn‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich: ›Jene Fesseln, die mich wüthen und verzweifeln ließen, die beginn’ ich zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich in Wuth und Verzweiflung geriethe, so möcht’ ich gar mich selber verachten, wegen der Wuth und Verzweiflung, und, wohlüberlegt, möchten Verständige mich tadeln, wegen der Wuth und Verzweiflung, und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, stände mir üble Fährte bevor, wegen der Wuth und Verzweiflung. Das ist ja eben die Fessel, das ist die Hemmung, nämlich Wuth und Verzweiflung. Wenn aber durch Wuth und Verzweiflung verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht, kann es den, der sich von Wuth und Verzweiflung fernhält, also nicht ankommen.‹ ‚Nicht wüthen und verzweifeln lässt von Wuth und Verzweiflung abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Nicht anmaaßen lässt von Anmaßung abstehn‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich: ›Jene Fesseln, die mir Anmaaßung schüfen, die beginn’ ich zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich anmaaßend würde, so möcht’ ich gar mich selber verachten, wegen der Anmaaßung, und, wohlüberlegt, möchten Verständige mich tadeln, wegen der Anmaaßung, und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, stände mir üble Fährte bevor, wegen der Anmaaßung. Das ist ja eben die Fessel, das ist die Hemmung, nämlich Anmaaßen. Wenn aber durch Anmaaßen verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht, kann es den, der sich von Anmaaßen fernhält, also nicht ankommen.‹ ‚Nicht anmaaßen lässt von Anmaaßung abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.