Wir verneigten uns alle tief, und ich sagte, daß ich, die Gemahlin des Ministers Satagira, einige geringe Gaben für den Orden der Heiligen mitgebracht hätte, um deren gütige Annahme ich bäte, und daß wir alle gekommen wären, um die Worte der Wahrheit zu vernehmen.

"Tritt näher, edle Frau," sagte der Mönch--und sofort hörte ich, daß es Angulimala war--"der Erhabene will selber deine Gaben in Empfang nehmen."

Wir traten alle bis auf ein paar Schritte an den Erhabenen heran und verneigten uns tief, ihn ehrfurchtsvoll mit den vor der Stirn gehaltenen, zusammengelegten Händen begrüßend, ohne daß ich ein Wort hervorzubringen vermochte.

"Reich sind deine Gaben, edle Frau," sagte der Erhabene, "und meine Jünger haben wenige Bedürfnisse. Erben der Wahrheit sind sie, nicht Erben der Not. Aber auch die Buddhas der Vorzeit haben es so gehalten und gern Spenden frommer Anhänger entgegengenommen, damit diesen Gelegenheit werde, die Tugend des Almosengebens zu üben. Denn wenn die Wesen die Frucht des Gebens kennten, wie ich sie kenne, dann würden sie, wenn sie auch nur eine Handvoll Reis übrig hätten, diese nicht verzehren, ohne einem noch Ärmeren davon zu geben, und der Gedanke des Eigennutzes, der ihren Geist verdunkelt, würde aus ihm entweichen. So sei denn deine Spende vom Orden des Buddha mit Dank angenommen--eine lautere Spende. Denn das nenne ich eine lautere Spende, durch welche der Geber geläutert wird und der Empfänger auch. Und wie geschieht das? Da ist, Vasitthi, der Geber sittenrein, edel geartet, und die Empfänger sind sittenrein, edel geartet; so wird bei einer Spende der Geber geläutert und der Empfänger. Das ist, Vasitthi, höchste Lauterkeit der Spende--einer solchen, die du dargebracht hast."

Darauf wandte der Erhabene sich an Angulimala:

"Geh, mein Lieber, und laß diese Geschenke zu den Vorräten bringen. Zuerst aber weise unseren edlen Gästen Plätze an vor den Stufen des Tempels, denn von dort aus werde ich den heute Anwesenden die Lehre darlegen."

Angulimala hieß die Diener warten und forderte uns auf, ihm zu folgen. Zuerst aber ließen wir uns alles, was wir an Blumen mitgebracht hatten, und auch einige schöne Teppiche herausgeben. Dann gingen wir, von unserm stattlichen Begleiter geführt, durch die zusammenströmende Menge, die uns ehrerbietig Platz machte, nach dem Tempel.

Hier breiteten wir die Teppiche über die Stufen und schlangen Blumengewinde um die alten, verwitterten und zerbröckelten Säulen. Dann zerpflückten Medini und ich einen ganzen Korb voll Rosen und streuten die Blütenblätter über den Teppich auf der obersten Stufe, für den Erhabenen, darauf zu stehen.

Unterdessen hatten die Versammelten sich in einem großen Halbkreise geordnet, die Laien links, die Mönche und Nonnen rechts vom Tempel--die vordersten Reihen im Grase sitzend. Und auch wir nahmen jetzt auf einer umgestürzten Säule Platz, nur wenige Schritte von den Stufen entfernt.

Es mochten wohl etwa fünfhundert Menschen dort versammelt sein, aber eine fast lautlose Stille herrschte in der Runde, und man vernahm nur das stoßweise Rauschen und das leise Blätterlispeln des Waldes.