Dagegen würde ich mir nie erlaubt haben, am ursprünglichen Buddhismus "poetischer" Zwecke halber auch nur den geringsten Zug zu ändern; denn daß ich, wie gesagt, die später so höchst populäre Vorstellung von Sukhavati hineingezogen habe, wird man mir nicht als eine solche Entstellung anrechnen können, da doch der Sache nach identische Vorstellungen im ältesten Buddhismus lebendig sind. Vielmehr ist es mir ein Herzensbedürfnis gewesen, ein echtes Bild buddhistischer Lebens- und Weltanschauung aufzurollen. Wenn Dr. K.E. Neumann, ohne dessen Arbeiten diese Dichtung nicht hätte entstehen können, in seinem Nachwort zum "Wahrheitspfad" vor dreizehn Jahren schrieb: "Die letzten Jahrzehnte, die letzten Jahre haben uns erst Aufschluß darüber gegeben, wer der Buddha war und was er gelehrt hat....Die Poesie des Buddhismus, sein Innerstes, ist uns aber noch ein Buch mit fünf Siegeln. Eins nach dem andern muß gelöst werden, wollen wir sein Herz verstehen lernen....Nachdem die Gelehrten das Ihrige getan haben, komme nun der Dichter und tue das Seinige: die Pali-Urkunden warten auf ihn. Dann erst wird die Buddhalehre auch bei uns zum Leben erwachen, wird deutsch unter Deutschen blühn"--so hoffe ich, daß mein gelehrter und verehrter Freund--und vielleicht mancher mit ihm--in diesem Werk den Anfang der Erfüllung jenes Wunsches begrüßen wird.

Dresden, September 1906Karl Gjellerup