Der Blick des Kaufmanns ging vom Schrecken zu bewunderndem Neid über:
"Nun, dann kannst du dich wahrlich glücklich preisen. Stünde ich so bei ihm in Gunst, dann würde ich in wenigen Jahren der reichste Mann in Kosambi sein. Und nun, eine glückliche Reise, Beneidenswerter!"
Damit ließ er seine Karawane sich wieder in Bewegung setzen.
Ich versäumte selbstverständlich nicht, am Grabe meines berühmten und verehrten Freundes eine Totenspende niederzulegen, mein Gebet ging aber, allen anderen hier abgehaltenen entgegen, darauf hinaus, daß er mich geradeswegs in die Arme der nächsten Räuberbande leiten sollte, der ich mich dann mit seiner Hilfe anschließen wollte und deren Führung, woran ich nicht zweifelte, bald von selber in meine Hände übergehen würde.
Es sollte sich aber deutlich zeigen, daß mein gelehrter und nunmehr durch Volksmund heilig gesprochener Freund sich geirrt hatte, als er annahm, eine Räuberkonstellation habe über meiner Geburt geleuchtet. Denn auf dem ganzen Weg nach Ujjeni trafen wir keine Spur von Räubern, und doch wurde, kaum eine Woche nachdem wir einen großen Wald hart an der Grenze Avantis gekreuzt hatten, eine Karawane, der wir begegnet waren, in eben diesem Walde von Räubern überfallen.
Es ist mir eine Quelle sonderbarer Betrachtungen gewesen, daß es anscheinend auf einem reinen Zufall beruhte, wenn ich im bürgerlichen Leben blieb, anstatt, wie mein Herz brennend begehrte, in das Räuberleben einzutreten. Freilich mag wohl von den nächtigen Pfaden Kalis auch einer auf den Weg der Pilgerschaft ausmünden, wie ja auch von den vom Herzen ausgehenden, mit fünffarbigem Safte erfüllten hundertundein Adern eine einzige nach dem Kopfe führt und diejenige ist, durch welche beim Tode die Seele den Körper verläßt. So könnte ich ja auch in dem Falle, daß ich Räuber geworden wäre, noch immer jetzt ein Pilger sein und mich auf dem Wege nach dem Ziele der Erlösung befinden. Wenn aber Einer die Erlösung erlangt, dann werden seine Werke, böse wie gute, zu nichts, durch die Glut des Wissens gleichsam zur Asche verbrannt.
Auch muß ich sagen, daß jene Zwischenzeit, im Räuberleben oder im bürgerlichen verbracht, vielleicht hinsichtlich der moralischen Früchte nicht so verschieden ausgefallen wäre, wie es dir, o Bruder, wohl scheinen mag. Denn ich habe, während ich unter den Räubern lebte, wohl bemerkt, daß es auch unter ihnen sehr verschiedenartige Leute gibt, und zwar einige mit sehr vortrefflichen Eigenschaften, und daß, wenn man von gewissen Äußerlichkeiten absieht, der Unterschied zwischen Räubern und ehrlichen Leuten nicht ganz so ungeheuer ist, wie die letzteren es sich gern vorstellen. Und andererseits habe ich in der reifen Periode meines Lebens, in die ich nunmehr eintrat, nicht umhin können zu bemerken, daß die ehrlichen Leute den Dieben und Räubern in das Handwerk pfuschen, einige gelegentlich und gleichsam improvisierend, andere beständig und mit großer und für sie sehr bekömmlicher Meisterschaft, so daß durch gegenseitige Annäherung sogar nicht wenig Berührung zwischen beiden Gruppen stattfindet.
Weshalb ich denn auch nicht weiß, ob ich durch das günstige Schicksal, das mich von den nächtigen Pfaden der schädelhalsbandschüttelnden Tänzerin fernhielt, eigentlich so sehr viel gewonnen habe."--
Nach dieser tiefsinnigen Betrachtung schwieg der Pilger Kamanita und richtete in Sinnen versunken seinen Blick nach dem Vollmond, der groß und glühend draußen über dem fernen Wald--dem Aufenthalt der Räuber--aufstieg und sein Licht gerade in die offene Halle des Hafners hereinströmen ließ, wo es den gelben Mantel des Erhabenen in lauteres Gold zu verwandeln schien, wie die Bekleidung eines Götterbildes.
Der Erhabene, auf den der Pilger, vom Glanze angezogen und dennoch ohne zu ahnen, wen er sah, unwillkürlich seinen Blick richtete, gab durch ein langsames Kopfnicken seine Teilnahme zu erkennen und sagte: