Ihre Fackeln und Pechkränze wollte ich, um von der Last dieses prächtigen Besitztums befreit zu werden. Aber es gibt ja Männer, die freiwillig sich ihres Besitzes entäußern und als Pilger umherziehen. Wie ein Vogel, wohin er auch fliegt, nur mit seinen Fittichen versehen fliegt, ebenso ist auch der Pilger mit dem Gewande zufrieden, das seinen Leib deckt, mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Und ich habe sie ja preisend sagen hören: 'Ein Gefängnis, ein Schmutzwinkel ist die Häuslichkeit, der freie Himmelsraum ist die Pilgerschaft.'
Und die Schwerter der Räuber rief ich an, um diesen Leib zu töten. Wenn aber dieser Leib zerfällt, bildet sich ja ein neuer, und aus diesem Leben geht ein neues als seine Frucht hervor.--Was für eins würde wohl aber aus dem meinigen hervorgehen? Freilich haben wir ja, Vasitthi und ich, uns bei jener himmlischen Ganga, deren Silberwellen die Lotusteiche des westlichen Paradieses speisen, feierlich zugeschworen, uns in jenen seligen Gefilden zu finden--und mit jenem Schwur hat sich; wie sie sagte, dort im heiligen, kristallklaren See für jeden von uns eine Lebensknospe gebildet; durch jeden reinen Gedanken, jede gute Tat müsse sie wachsen, alles Böse und Nichtswürdige aber werde wie ein Wurm an ihr nagen. Ach, längst muß ja die meinige zernagt sein! Ich habe ja auf mein Leben zurück geblickt: nichtswürdig hat es sich gestaltet, Nichtswürdiges würde aus ihm hervorgehen. Was hätte ich denn durch einen solchen Tausch gewonnen?
Nun gibt es ja aber Männer, die schon in diesem Leben jede irdische Wiedergeburt vernichten und die unerschütterliche Gewißheit ewiger Seligkeit gewinnen. Und das sind eben dieselben Männer, die, Alles hinter sich lassend, frei umherpilgern.
Was sollen mir also die Brandfackeln der Räuber, was ihre Schwerter?"
Und ich, der ich zuerst vor den Räubern angstvoll gezittert und nachher mich ungeduldig nach ihnen gesehnt und meine Hoffnung auf sie gesetzt hatte--ich fürchtete mich weder vor ihnen, noch erhoffte ich von ihnen irgend etwas; von Furcht und Hoffnung frei, empfand ich eine große Ruhe. In dieser Ruhe kostete ich aber einen Vorgeschmack der Wonne, die denjenigen zu eigen ist, die das Ziel der Pilgerschaft erreicht haben; denn wie ich den Räubern gegenüberstand, so mögen sie wohl allen Mächten der Welt gegenüberstehen: weder fürchten sie solche, noch hoffen sie etwas von ihnen, sondern verharren in Frieden.
Und ich, der ich noch vor vierundzwanzig Stunden mich scheute, eine kurze Reise anzutreten wegen der Strapazen und der kargen Kost des Karawanenlebens, ich beschloß jetzt, ohne Zagen und Wanken, bis an das Ende meiner Tage obdachlos zu Fuß zu wandern, mein Leben fristend "so wie es eben kommt".
Ohne auch nur noch einmal in das Haus zurückzukehren, ging ich geradenwegs nach einer zwischen Garten und Hof gelegenen Scheune, wo allerlei Geräte aufbewahrt wurden. Dort nahm ich den Stock eines Ochsentreibers und schnitt die Spitze ab, um ihn als Wanderstab zu benutzen, und eine Kürbisflasche, wie die Gärtner und Feldarbeiter sie bei sich tragen, hängte ich um.
Am Brunnen im Hofe füllte ich die Flasche.
Da trat der Hausmeier an mich heran.
"Angulimala und seine Räuber kommen wohl jetzt nicht mehr, o Herr?"