"Dieser Pilger," nahm Sariputta das Wort, "ist in den Straßen Rajagahas durch eine Kuh des Lebens beraubt worden."

"Und nicht ahnend, mit wem er die Nacht hier zugebracht hatte," fügte Ananda hinzu, "begehrte er sehnlich, zu Füßen des Erhabenen gebracht zu werden."

"Bald danach freilich verlangte er, man möchte ihn nach der Ganga tragen," bemerkte Sariputta.

"Nicht doch, Bruder Sariputta!"--berichtigte Ananda. "Denn er sprach von der himmlischen Ganga. Leuchtenden Blickes gedachte er eines Schwures und nannte dabei einen Frauennamen--Vasitthi, glaube ich--und so verschied er."

"Irgend einen Frauennamen auf den Lippen, ging er von dannen," sagte Sariputta.--"Wo ist er wohl wieder ins Dasein getreten?"

"Töricht, ihr Jünger, war der Pilger Kamanita, einem unvernünftigen Kinde vergleichbar. Diesem Pilger, ihr Jünger, der in meinem Namen umherzog und sich zur Lehre des Erhabenen bekennen wollte, habe ich die Lehre ausführlich und eingehend dargelegt. Und er hat an der Lehre Anstoß genommen. Auf Seligkeit und Himmelswonnen war das Sehnen und Trachten seines Herzens gerichtet. Der Pilger Kamanita, ihr Jünger, ist in Sukhavati, im Paradiese des Westens, wieder ins Dasein getreten, tausend- und abertausendjährige Himmelswonnen zu genießen."

[XXII. IM PARADIESE DES WESTENS]

ls der Erhabene in der Halle des Hafners zu Rajagaha diese Worte sprach, erwachte der Pilger Kamanita im Paradiese des Westens. In einen roten Mantel gehüllt, der zart und glänzend wie ein Blumenblatt in reichem Faltenwurf um ihn herabfloß, fand er sich mit untergeschlagenen Beinen, auf einer mächtigen, gleichfarbigen Lotusrose sitzend, die mitten auf einem großen Teiche schwamm. Auf der weiten Wasserfläche waren überall solche Lotusblumen zu sehen, rote, blaue und weiße, einige noch als Knospen, andere, obwohl ziemlich entwickelt, doch immer noch geschlossen, aber unzählige offen wie die seine; und fast auf einer jeden thronte eine menschliche Gestalt, deren faltiges Gewand aus den Blumenblättern emporzuwachsen schien.

Auf den schrägen Ufern des Teiches, im grünsten Gras, lachte ein Blumenflor, als ob alle Edelsteine der Erde hier in Blumengestalt wiedergeboren wären, ihren Glanz und ihr durchleuchtetes Farbenspiel beibehaltend, aber den harten Panzer, den sie in ihrem Erdenleben getragen, gegen die Weiche, schmiegsame, lebendige Pflanzenhülle eintauschend. So war auch der Duft, den sie aushauchten, mächtiger als die herrlichste Essenz, die je in ein kristallenes Fläschchen eingeschlossen wurde, und hatte doch die ganze herzhafte Frische des natürlichen Blumenduftes.