Um Kamanita breitete sich ein von himmelstrebenden Malachitfelsen eingeschlossener Talkessel, und mitten in diesem stand der Wunderbaum.
Stamm und Äste waren von blanker, roter Koralle; ein wenig gelblicher war die Röte des krausen Laubwerkes, aus dem die Blüten tief karmesinfarbig hervorglühten.
Über Felsenzinnen und Baumwipfel spannte der Himmel sich dunkelblau, ohne daß ein einziges Wölkchen zu sehen war. Auch drang die Musik der Genien kaum hierher--was noch in der Luft zitterte, war wie eine Erinnerung an längst gehörte Melodien.
Nur drei Farben waren da: das Ultramarinblau des Himmels, das Malachitgrün der Felsen, das Korallenrot des Baumes. Und nur ein Duft--jener geheimnisvolle, allen anderen unähnliche Duft der karmesinroten Blumen, der Kamanita hierher geführt hatte.
Und alsbald zeigte sich nun auch die Wunderart dieses Duftes:
Als Kamanita ihn hier einsog, wo er verdichtet den ganzen Kessel füllte, erweiterte sich plötzlich sein Bewußtsein und überschwemmte und durchbrach die Schranke, die bis jetzt hinter seinem Erwachen im Teiche errichtet gewesen war.
Sein vorheriges Leben lag offen vor ihm:
Er sah die Halle des Hafners, wo er mit jenem törichten Buddhamönch im Gespräche saß; er sah das Gäßchen in Rajagaha, das er durcheilte, und die ihm entgegenstürmende Kuh--dann die bestürzten Gesichter ringsum und die gelbgekleideten Mönche....
Und er sah die Waldungen und Landstraßen seiner Pilgerschaft, seinen Palast und seine beiden Frauen, die Hetären Ujjenis, die Räuber, den Krishnahain und die Terrasse der Sorgenlosen mit Vasitthi, das Elternhaus und die Kinderstube....
Und dahinter sah er ein anderes Leben und noch eins und noch eins--und immer noch andere, wie man die Baumreihe einer Landstraße sieht, bis die Bäume zu Punkten werden und die Punkte in einen einzigen Schattenstreifen zusammenschmelzen.