Vor ihnen lag die himmlische Ganga, bis zum Horizonte ihre silbrige Fläche breitend, während zu ihren Füßen flache Wellenzungen, wie flüssiges Sternenlicht, flammenartig den perlgrauen Sand des flachen Ufers beleckten.
Wenn sonst der Himmel nach unten zu allmählich heller wird, so war es hier umgekehrt: das Ultramarinblau ging in Indigo über, das schließlich mit einem fast gänzlich schwarzen Rand sich auf die silberweiße Kimmung stützte.
Vom Dufte der Paradiesblüten war nichts mehr zu spüren. Wie aber im Malachittale um den Korallenbaum jener erinnerungsschwangere Duft aller Düfte gesammelt stand, so wehte hier den Weltenstrom entlang ein kühler und herber Hauch, dem das Fehlen aller Düfte, das vollkommen Reine als einziger Duft eignete. Und Vasitthi schien ihn begierig wie einen erfrischenden Trank einzuschlürfen, während er Kamanita den Atem raubte.
Auch von jener lieblichen Musik der Genien vernahm man hier nicht den leisesten Ton. Aber aus dem Strome schienen mächtige, donnerartig dröhnende Klänge emporzusteigen.
"Horch!"--flüsterte Vasitthi und erhob ihre Hand.
"Sonderbar!"--sagte Kamanita. "Einst war ich in eine Hütte eingekehrt, die an dem Ausgange einer Bergschlucht lag und an der ein kleiner, lieblicher Bach vorüberfloß, in dessen klarem Wasser ich nach meiner Wanderung meine Füße wusch. Während der Nacht ging ein mächtiger Regen nieder, und als ich in der Hütte wach lag, hörte ich, wie der Bach, der abends nur leise gerauscht hatte, immer ungestümer brauste und tobte. Zugleich aber vernahm ich einen polternden, donnernden Schall, den ich mir durchaus nicht zu erklären wußte. Am nächsten Morgen sah ich nun, daß aus dem klaren Bach ein reißender Gebirgsstrom mit grauen, schäumenden Fluten geworden war, in welchem große Steine rollend und springend dahinstürzten. Und diese waren es, die dies Getöse verursacht hatten. Wie mag es wohl kommen, daß nun hier, beim Anhören jener Klänge, diese Erinnerung aus meiner Pilgerschaft in mir emporsteigt?"
"Es kommt daher," antwortete Vasitthi, "weil in jenem Gebirgsbache Steine, in dem Strome der himmlischen Ganga aber Welten gerollt und mitgetrieben werden, und die sind es, von denen jene donnerartig dröhnenden Klänge herrühren."
"Welten!"--rief Kamanita entsetzt.
Vasitthi lächelte und schwebte dabei weiter; aber erschrocken hielt Kamanita sie an ihrem Gewände zurück.
"Hüte dich, Vasitthi! Wer weiß, welche Mächte, welche furchtbaren Kräfte draußen über diesem Weltenstrome schweben, Mächte, in deren Gewalt du geraten könntest, wenn du dieses Ufer verließest. Ich zittere schon bei dem Gedanken, dich plötzlich fortgerissen zu sehen."