[Die Etappen zum Weltkrieg]


Im Sommer 1908 war der diplomatische Aufmarsch der gegnerischen Koalition im wesentlichen beendigt. Alle wichtigeren Streitfragen zwischen England, Frankreich und Rußland waren beglichen oder zum mindesten zurückgestellt. Japan war durch das Bündnis mit England an das System der Triple-Entente angeschlossen; Italien war, trotz des Fortbestehens seiner formalen Zugehörigkeit zum Dreibund, durch die mit ihm getroffenen Abmachungen materiell neutralisiert. Alle nicht bereinigten großen Konflikte und alle ernsthaft ins Auge zu fassenden Konfliktsmöglichkeiten betrafen das Verhältnis von Ländern der Triple-Entente zu Deutschland und Österreich-Ungarn. Das Schicksal der Welt hing davon ab, ob bei dieser stark angespannten Lage die Kräfte und Strömungen die Oberhand gewinnen würden, die auf ein vorsichtiges Ausgleichen der Reibungen und Abbiegen der Reibungsmöglichkeiten hinwirkten, oder diejenigen Strömungen und Kräfte, die den Zündstoff zur Explosion bringen mußten.

[Die bosnische Krisis]

Die Entwicklung der Dinge auf dem Untergrunde dieser Gesamtlage erfuhr noch im Sommer des Jahres 1908 einen folgenschweren Antrieb in der türkischen Revolution.

Der Sturz des absolutistischen Regimes Abdul Hamids und die Errichtung der Herrschaft des jungtürkischen Komitees rollte plötzlich die türkische Frage wieder auf, die für den Weltfrieden stets besonders gefährlich gewesen war. Bedeutete die Revolution den Beginn der endgültigen Zersetzung oder eine Konsolidierung des Türkischen Reiches?

Alte Wünsche und Befürchtungen wurden neu geweckt.