Wieder trat in jener Zeit eine Pause auf dem galizischen Kriegstheater ein. Die Offensive nach Osten hatte sich ausgewirkt. „Die Lage ist unverändert“ lautete fast Tag für Tag der Heeresbericht über den südöstlichen Kriegsschauplatz. Aber auch jetzt konnte sich die Oberste Heeresleitung nicht entschließen, sich dem Balkan zuzuwenden. Das große Kesseltreiben gegen Polen von Norden und Süden her war bereits in Vorbereitung. Falkenhayn vertröstete den Kanzler auf die Beendigung dieser Aktion.
Der glänzende Feldzug in Polen füllte den Juli und August. Mit Hängen und Würgen hielten die Türken die Dardanellen, während in Sofia der Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, unterstützt von dem Gesandten Grafen Oberndorff und Herrn von Rosenberg vom Auswärtigen Amt, mit König Ferdinand und seiner Regierung, im Großen Hauptquartier der General von Falkenhayn mit den bulgarischen Militärs über die politischen und militärischen Bedingungen des Zusammenschlusses verhandelten, nachdem unter unserer Mitwirkung eine Einigung zwischen Bulgarien und der Türkei zustandegekommen war, die den Türken Adrianopel beließ, den Bulgaren aber die Maritza mit einem Geländestreifen auf dem östlichen Ufer zurückgab.
Den Bulgaren wurde ferner das bulgarische Mazedonien sowie das östliche Serbien bis zur Morawa zugesagt. Ihre Ansprüche auf das griechische Gebiet von Drama, Serres und Cavalla sollten nur dann praktisch werden, wenn Griechenland von seiner Neutralität zu Kriegshandlungen gegen unsern Verband übergehen sollte. Dafür behielten sich die Türken vor, im Falle einer bulgarischen Gebietserweiterung auf Kosten Griechenlands die jetzt von ihnen abzutretenden Gebiete von Bulgarien zurückzuverlangen.
Die Entente hat nicht vermocht, so lange wir ihr auch notgedrungen Zeit lassen mußten und so sehr sie alle diplomatischen Künste spielen ließ, den Anschluß Bulgariens an die Mittelmächte zu verhindern. Zwar war der griechische Ministerpräsident bereit, der Entente über den Kopf seines Königs hinaus einen großen Trumpf in die Hand zu geben, indem er zugunsten Bulgariens auf Serres, Drama und Cavalla gegen Entschädigung durch Smyrna und andere von Griechen bevölkerte Teile Kleinasiens verzichten wollte. Aber Serbien sperrte sich gegen die Ausdehnung der von den Westmächten in Mazedonien gewünschten Konzessionen; und den großen Trumpf, Konstantinopel, der bei den Bulgaren sicher gestochen hätte, wagte man in Rücksicht auf Rußland nicht auszuspielen. So gewannen die Mittelmächte das Übergewicht.
Am 7. September konnten in Sofia alle Verträge unterzeichnet werden. Die Vorbereitungen für die gemeinschaftliche Aktion gegen Serbien wurden sofort eingeleitet.
Vom Eingreifen Bulgariens bis zum rumänischen Krieg
Am 20. September donnerten zum ersten Male wieder seit langer Zeit an der serbischen Donau die Kanonen. Belgrad und Semendria wurden aus österreichischen und deutschen Geschützen beschossen. Es war nur ein Auftakt. Der wirkliche Angriff begann erst am 6. Oktober.
Vorher aber machte die Entente einen heroischen Versuch, auf der Westfront die Entscheidung des Krieges zu erzwingen.
Am 25. September 1915 meldete der deutsche Heeresbericht:
„Auf der ganzen Front vom Meere bis zu den Vogesen nahm das feindliche Feuer an Stärke zu und steigerte sich östlich von Ypern zwischen dem Kanal von La Bassée und Arras sowie in der Champagne von Prosnes bis zu den Argonnen zu äußerster Heftigkeit. Die nach der zum Teil 15stündigen stärksten Feuervorbereitung zu erwartenden Angriffe haben begonnen.“