In der Nacht zum 19. September gingen die britischen Truppen auf der ganzen Linie zum Angriff vor. Während das türkische Zentrum und der sich an den Jordan anlehnende linke Flügel standhielten, brach der an der Küste stehende rechte Flügel zusammen. Britische Kavallerie drängte scharf nach und schwenkte südlich des Sees Tiberias nach Osten ein, um das Zentrum der türkischen Armee im Rücken zu fassen. Dazu wurde die Lage im Ostjordanland durch Aufstände der Araberstämme gefährdet. Ende September erzwangen die Engländer den Übergang über den oberen Jordan und vereinigten sich mit den Arabertruppen des von ihnen zum König von Hedschas ausgerufenen Scheiks Hussein. Die türkische Niederlage wurde zum Zusammenbruch. Während sich die deutschen Abteilungen zum großen Teil mit Aufgebot aller Kraft durchschlugen, ergab sich der größte Teil der türkischen Verbände in sein Schicksal und kapitulierte. Am 2. Oktober konnten die Engländer die Einnahme von Damaskus melden. Dem weiteren Vormarsch nach Norden stand kein Hindernis mehr entgegen. In der letzten Oktoberwoche besetzten die Engländer ohne Kampf Aleppo und durchschnitten damit die einzige Eisenbahnverbindung zwischen Kleinasien und Mesopotamien. Auch die in Mesopotamien stehenden türkischen Truppen erlitten gleichzeitig eine vernichtende Niederlage.
Unter der Wirkung der Katastrophe war schon am 9. Oktober der deutschfreundliche Großwesir Talaat Pascha mit seinem Kabinett zurückgetreten und hatte dadurch den Weg für Verhandlungen mit der Entente freigemacht.
Der österreichisch-ungarische Friedensschritt
Unser nächster und stärkster Bundesgenosse, Österreich-Ungarn, hatte in den schicksalsschweren Wochen des August und September an seiner einzigen Front, der venezianischen, keine Großkämpfe zu bestehen. Zwar griffen die Italiener immer wieder sowohl an der Gebirgsfront als am Piave an, ohne jedoch ihren Vorstößen einen besonderen Nachdruck zu geben. Die österreichisch-ungarische Armee stand seit ihrer verunglückten Piave-Offensive auf dem Ostufer des Flusses in guten Stellungen und konnte — ebenso wie dies seitens der Italiener geschah — einzelne Verbände für den westlichen Kriegsschauplatz abgeben. Dort haben sich österreichisch-ungarische Regimenter namentlich in den Kämpfen vom 12. September um den Stellungskeil bei St. Mihiel ausgezeichnet.
Trotz seiner verhältnismäßig gesicherten und günstigen militärischen Lage nahm Österreich-Ungarn mit einem aufsehenerregenden Schritt für sich allein und ohne Verbindung mit seinen Bundesgenossen die Initiative zu einer neuen Friedensaktion.
Am 14. September richtete der österreichisch-ungarische Minister des Auswärtigen, Graf Burian, an die Regierungen der sämtlichen Kriegführenden, Freund wie Feind, eine gleichlautende Note, in der er vorschlug, „zu einer vertraulichen und unverbindlichen Aussprache über die Grundprinzipien des Friedensschlusses an einem Ort des neutralen Auslandes und zu einem nahen Zeitpunkt, über den man noch Vereinbarungen zu treffen hätte, Delegierte zu entsenden, die beauftragt wären, die Auffassungen ihrer Regierungen über ihre Prinzipien bekanntzugeben, analoge Mitteilungen entgegenzunehmen, sowie offene und freimütige Aufklärungen über alle jene Punkte, die der Präzisierung bedürfen, zu erbitten und zu erteilen“. Mit einer besonderen Note wurde dieser Friedensschritt auch zur Kenntnis des Papstes gebracht; ebenso wurden die Regierungen der neutralen Staaten verständigt.
Die Note wurde am gleichen Tage von der Wiener Regierung veröffentlicht, zugleich mit einem umfangreichen Promemoria, dessen Gedankengang war:
Alle Völker ersehnten das baldige Ende des blutigen Kampfes. Trotzdem sei es bisher nicht gelungen, die Kluft, die die Kriegführenden noch trenne, zu überwinden. Der Friedensschritt der Mittelmächte vom Dezember 1916 habe nicht zu dem erhofften Erfolg geführt, habe aber wenigstens bewirkt, daß die Friedensfrage seither nicht mehr von der Tagesordnung verschwunden sei. Wenn auch die seither vor dem Tribunal der Öffentlichkeit geführte Diskussion die Gegensätzlichkeit bewiesen habe, die jetzt noch die Auffassung der kriegführenden Mächte von den Friedensbedingungen trenne, so habe sich doch eine Atmosphäre gebildet, welche die Erörterung des Friedensproblems nicht mehr ausschließe. Ohne übertriebenen Optimismus könne man aus den Äußerungen verantwortlicher Staatsmänner mindestens so viel konstatieren, daß der Wille, zu einer Verständigung zu gelangen und den Krieg nicht ausschließlich durch die Macht der Waffen zur Entscheidung zu bringen, auch bei den alliierten Staaten allmählich doch durchzudringen beginne.
Der Schritt des Grafen Burian wirkte als Sensation. Er wurde allgemein dahin gedeutet, daß Österreich-Ungarn nicht mehr in der Lage oder nicht mehr gewillt sei, weiterzukämpfen, und daß es sich, um zum Frieden zu kommen, entschlossen habe, ohne Rücksicht auf seine Bundesgenossen selbständig den Weg zum Frieden zu gehen.