Und doch, so schwer uns das Schicksal geschlagen hat, durch unsere Feinde und mehr noch durch uns selbst — die Hoffnung will uns nicht verlassen. Besiegt und gedemütigt, entwaffnet und verarmt gehen wir aus der Völkerdämmerung hervor, sehen wir uns in eine Welt gestellt, die ihr Angesicht von Grund aus verändert hat. Aber wir können in uns das Bewußtsein tragen, daß keine der Nationen, die sich des Sieges rühmen, in diesem Kriege ein solches Maß von innerer Kraft und Tüchtigkeit entfaltet hat wie unser deutsches Volk. Ein ungeheurer Druck von Zahl und Masse, wie er niemals in der Geschichte aller Zeiten von einem einzelnen Volk zu tragen war, hat schließlich unsere Kraft erlahmen lassen, hat uns gebeugt und allen bösen Geistern Gewalt über uns gegeben. Aber dieser Niederbruch kann nicht das Ende sein. Wir denken zurück an die schwersten Zeiten unserer Geschichte. Wir denken an die grauenhafte Verwüstung des Dreißigjährigen Krieges, die nach dem Worte Treitschkes den Untergang des deutschen Namens anzukündigen schien und der Anfang eines neuen Lebens geworden ist. Wir denken an die Wiedergeburt deutscher Gesittung und deutscher Macht, in der unser Volk sich mehr als einmal aus tiefstem Elend und niedrigster Schmach erhoben hat. In aller Not und Bedrückung des Tages richten wir den Blick auf den weiten Horizont der Zukunft, glauben wir an die Unzerstörbarkeit des deutschen Wesens und den unveräußerlichen Beruf des deutschen Volkes in dem Aufstieg der Menschheit.
Fußnoten:
[3] Der englische Text lautet reichlich unklar:
All french territory should be freed, and the invaded portions and the wrong done to France by Germany in 1871 in the matter of Alsace-Lorraine — which has unsettled the peace of the world nearly fifty years — should be righted in order that peace may once more be made in the interest of all.
[4] Englischer Text: An independent Polish State should be erected which should include territories inhabited by indisputably Polish population, which should be assured a free and secure access to sea, and whose political and economic independance and territorial integrity should be garanteed by international covenant.
Nachtrag
Veranlaßt durch die Rede des Reichsfinanzministers Erzberger in der Nationalversammlung vom 25. Juli 1919 ist eine Erörterung über die auf den Seiten 171 und 172 dieses Bandes kurz behandelte Episode eines vermeintlichen englischen Friedensfühlers im September 1917 entstanden, die über die diplomatischen Vorgänge jener Zeit und darüber hinaus auch auf den Hintergrund der Aktion des damaligen Abgeordneten Erzberger vom Juli 1917 genauere Aufklärung gebracht hat. Diese Aufklärung hat die von mir in diesem Bande gegebene Darstellung vollauf bestätigt. Sie hat sie aber gleichzeitig durch so wichtige Einzelheiten ergänzt, daß es mir notwendig erscheint, in Form dieses Nachtrags die wichtigsten Ergebnisse zusammenzufassen.
Ich habe oben auf den Seiten von 144 an die Anzeichen erwähnt, die vom Mai 1917 an eine aufkeimende Geneigtheit der Westmächte zu Friedensgesprächen erkennen ließen: