Daß die neue russische Regierung gleichzeitig Schritte in Aussicht stellte, um ihre Verbündeten für einen Frieden ohne Annexionen und Entschädigungen und des Selbstbestimmungsrechts der Völker zu gewinnen, konnte die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß auch nach diesem Umschwung an einen Sonderfrieden mit Rußland, und damit an Frieden überhaupt, noch nicht zu denken war.

Eine in der ersten Maihälfte aus den Kreisen des russischen Arbeiter- und Soldatenrates angeregte vertrauliche Aussprache mit deutschen Vertretern an der Dünafront verlief unter diesen Umständen ergebnislos. Ja es gelang dem Druck der Ententemächte, das neue russische Kabinett zu veranlassen, gegen Ende Juni 1917 die russischen Heere zu einer neuen großen Offensive gegen Deutschland vorzuschicken. Die Offensive war von Kerenski, der als Vertreter der revolutionären Massen in das Kabinett eingetreten war, vorbereitet und befohlen worden. Wenige Wochen nach ihrem Beginn ersetzte Kerenski den Fürsten Lwoff als Ministerpräsident. Die Auflehnung der Anhänger Lenins, der Bolschewisten, gegen die Kriegspolitik wurde blutig unterdrückt, Lenin selbst mußte sich längere Zeit hindurch verborgen halten.

So war es um die Mitte des Jahres 1917 offenkundig, daß der Friede mit Rußland, den man von der Revolution erhofft hatte, nur durch einen neuen Schlag gegen die russische Armee gebracht werden konnte.

Der Fortgang der militärischen Operationen

Im Westen hatten sich unterdessen neue gewaltige Kämpfe abgespielt.

Hindenburg war dem erwarteten großen Offensivstoß der Feinde ausgewichen, indem er unsere zwischen Arras und der Aisne in weitem Bogen vorspringende Front auf eine fast gerade Linie zurückgenommen hatte, die von der Gegend östlich Arras über St. Quentin nach den Höhen nördlich von Vailly führte. Die Zurücknahme unserer Truppen auf diese neue, stark befestigte Linie war Mitte März unbemerkt vom Gegner durchgeführt worden. Durch planmäßige Zerstörung aller Verkehrswege und Stützpunkte in dem geräumten Gebiet war für den Feind die Annäherung gegen die neue Front außerordentlich erschwert worden. Dafür unternahmen Engländer und Franzosen im April eine mit stärkstem Einsatz geführte Flügeloffensive. Die Engländer stießen vom 9. April an bei Arras vor, während die Franzosen etwa eine Woche später an der Aisne und in der Champagne nach sechstägiger stärkster Artillerievorbereitung zum Angriff auf breiter Front vorgingen. Die Offensiven hatten das Schicksal aller früheren: sie kamen über bescheidene Anfangserfolge nicht hinaus, unsere Truppen vermochten in heldenhafter Gegenwehr den Durchbruch zu verhindern.

Anfang Juni holten die Engländer zu einem neuen wuchtigen Stoße aus, dieses Mal in Flandern. Ihr Ziel war, die Höhenkette um Ypern zu nehmen, die flandrische Ebene zu gewinnen und damit unsere Stellung an der flandrischen Küste, die als Basis für den U-Bootkrieg von der größten Wichtigkeit war, unhaltbar zu machen. Auch hier errangen die Engländer, vor allem durch gewaltige unterirdische Sprengungen im Wytschaetebogen, Anfangserfolge, die jedoch bald an dem eisernen Widerstand unserer Truppen ins Stocken kamen. Mit ungeheurer Zähigkeit setzten die Engländer hier ihre Angriffe fort bis in den November hinein.