[Fünftes Buch.]
Der Occultismus der Hebräer.
[Erstes Kapitel.]
Die schwarze Magie der Hebräer.[304]
Nach der Kabbala steht alles Existierende im großen wie im kleinen, im einzelnen wie im ganzen, in einer magischen Verbindung. Überall ist das Äußere der Ausdruck des Innern und das Untere die Ausprägung des Höheren, und in derselben Weise, wie das Höhere und Innere nach unten und außen wirkt, so wirkt umgekehrt das Untere und Äußere nach oben und innen magisch zurück. Diese Sympathie bildet das innere Prinzip alles Geschaffenen.
Der Welt des Lichtes steht eine Welt der Finsternis gegenüber, während der Mensch seinen Platz in der Mitte behauptet und als der unterste Ausläufer der Welten sowohl des Lichtes als auch der Finsternis gelten kann. Der Rapport zwischen dem Unteren und dem Höheren wird durch den Kultus, durch die mit rituellen Handlungen verknüpfte Assimilation hergestellt, indem das Untere, welches nur durch sein Oberes existiert, sich demselben gleichförmig zu machen und mit ihm eins zu werden bestrebt ist. Gleichzeitig sucht es von ihm immer mehr Kräfte an sich zu ziehen, um in seinem Geiste zu leben und zu wirken. Es ist also die Möglichkeit der Existenz einer heiligen und einer finstern Magie gegeben.
Es wird aber auch ein Rapport des Innern mit dem Äußern, des Menschen mit der Natur, d. h. eine Naturmagie möglich sein. Bei derselben wird die Beobachtung eines fest bestimmten naturgesetzmäßigen Verhaltens gefordert, um sich mit den Kräften und Individualitäten der Natur in Verbindung zu setzen, sowie sich denn auch der Mensch hier durch Anwendung von künstlichen Mitteln auf naturnotwendigem Wege in einen ekstatischen Zustand versetzen muß.
Diese Naturmagie ist an sich weder unrichtig noch böse, kann aber leicht in beide Eigenschaften umschlagen und ist dem Irrtum und Trug leicht ausgesetzt. Nach kabbalistischer Lehre bilden nämlich alle Wesenheiten des Universums eine organisch gegliederte, auf das Innigste verbundene Kette, in welcher die obern Glieder auf die untern, und diese wieder auf jene wirken. Der Mensch aber kann durch die Naturmagie nur mit den untern und äußern Wesen dieser Kette (Merkabah), den Elementarwesen und Astralgeistern, in Verbindung treten, nie aber mit den höheren Intelligenzen, welche sich ihm auf äußerliche Weise durch die unteren getrübten Naturkräfte mitteilen. Die Mitteilungen, welche diese Wesen den Menschen zukommen lassen, sind je nach ihrem höheren oder tieferen Ursprung von sehr verschiedenem Wert, nur bedingungsweise richtige und nichtsweniger als unverbrüchliche Wahrheiten. Selbst die höheren Wesen dieser Klasse haben nur Einsicht in die natürlichen Verhältnisse der Dinge und das Schicksal der Menschen, insofern dasselbe durch ihre früheren Handlungen bedingt ist, während sich das aus den künftigen Thaten Entspringende ihrer Kenntnis entzieht. Die Mitteilungen der untern Wesen dieser Klasse aber sind noch unzuverlässiger, indem ihr Wissen mit jeder tieferen Stufe dunkler und unbestimmter wird, und die am tiefsten stehenden, an die dämonische Region grenzenden Naturgeister und Elementarwesen (Schedim) den Menschen oft geflissentlich belügen. – Die Kabbala kennt also bereits die bedingte Richtigkeit der von ihr dem sogen. Elementarwesen zugeschriebenen mediumistischen Mitteilungen, und konstruiert eine an Kardek erinnernde Geisterleiter, in welcher selbst die hier allerdings außermenschliche Züge tragenden esprits menteurs unverkennbar geschildert sind.
Aber auch zum Bösen kann die Naturmagie führen, weil der Mensch große Gefahr läuft, unter den Einfluß niederer Wesen zu gelangen, die ihn immer tiefer in das Dunkel der Natur führen, ihn moralisch und intellektuell verkommen lassen und alle „Schrecken des Mediumismus“ über ihn heraufbeschwören.
Es dürfte umsomehr am Platze sein, hier eine kurze Übersicht über das zu geben, was die Kabbala von den Elementarwesen lehrt, als sich diese Lehren bei den Neuplatonikern, bei Psellus, den mittelalterlichen Magiern, Paracelsus, van Helmont und überhaupt in der ganzen Mystik wiederholen; und von der Kabbala wird die Naturmagie im wesentlichen als von den Elementarwesen abhängig gedacht, weshalb sie dieselbe auch Maase Schedim, das Werk der Elementarwesen, nennt.