Die Art und Weise wie Philo den Menschen in verschiedene Grundteile teilt, hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der sog. esoterischen Lehre. Diese Ähnlichkeit mag wohl daher rühren, daß, wie später nachzuweisen, Philo der Sekte der Essäer angehörte, welche bekanntlich unter den Juden durch buddhistische Missionäre gestiftet worden war.[656]
Der Mensch besteht nach Philo aus Körper und Seele.
Der Körper σῶμα (rupa der Inder, chat der Ägypter, guf der Hebräer, elementarische Leib des Paracelsus) ist aus den vier Elementen zusammengesetzt und darum sterblich.[657]
Die Seele (ψυχὴ) des Menschen zerfällt in einen unvernünftigen und einen vernünftigen Teil. Zu den ersteren gehört der „Sitz der Leidenschaft“ (τὸ ϑυμικὸν) und der Sitz der physischen Begierden (τὸ ἐπιϑυμητικὸν). Dieser Teil der Seele ist sterblich und hat seinen Sitz im Blut[658]; er kann also sehr wohl mit dem Kama rupa der Inder, Ab der Ägypter, Ruach der Hebräer und dem Evestrum oder siderischen Menschen des Paracelsus verglichen werden.
Insofern dieser Teil der Seele und der Körper sterblich sind, nennt Philo den Menschen ein vernünftiges sterbliches Tier.
Der niederste Grundteil der vernünftigen Seele ist nach Philo das Sprachvermögen[659], eine Unterscheidung, die sonst nirgends gemacht wird. Da aber die Sprache den Menschen vom Tiere zunächst unterscheidet, so könnte man das „Sprachvermögen“ Philos vielleicht mit der Menschenseele der Inders (manas, ba, Neschamah, spiritus etc.) identifizieren.
Der zweite Teil der vernünftigen Seele ist das „Vermögen der Sinne“ (ψυχὴ αἰσϑητικὴ), die wir mit Chaibi der Ägypter, chaijah der Hebräer und der Vernunft (Intellectus) der mittelalterlichen Mystiker vergleichen können.
Der höchste Grundteil des Menschen endlich ist der „Verstand“, νοῦς, λόγος, cha der Ägypter, jeschida der Hebräer, der „göttliche Gedanke“ Agrippas und der Mensch des Olympi novi des Paracelsus, welcher „ein unzertrennlicher Teil der stetigen Natur der Gottheit ist“.[660]
Unter den bisher aufgezählten sechs Grundteilen haben wir den Astralkörper vermißt; aber auch von diesem findet sich eine Spur bei Philo, insofern er sagt, die Seele sei in Ätherstoff, d. h. ein fünftes Element, aus dem Himmel und Gestirne geschaffen worden, in ein heiliges, unverlöschliches Feuer gehüllt.[661]
Daß Philo auch die Lebenskraft kannte, ergiebt sich aus folgender Stelle[662]: