Die verschiedenen Geisterwelten offenbaren sich dem Menschen, welcher im Besitz der wahren Praxis der rechten Theurgie ist, und ihre Erscheinungen sind ihrem Rang nach verschieden.[852] – Sie entsprechen dem Wesen, den Kräften und Wirkungen der verschiedenen Götter- und Geisterarten, wonach sich die Art und Weise richtet, wie sie durch Beschwörungen sichtbar werden, Wirkungen äußern und die ihnen angemessenen Gestalten, sowie die ihnen eigentümlichen Unterscheidungsmerkmale erblicken lassen.

Die Mitteilung dieser charakteristischen Kennzeichen der verschiedenen Geisterklassen ist nun das Prachtstück der theurgischen Weisheit des Jamblichus.

Die Erscheinungen der Götter sind in ihrer Art homogen, die der Dämonen mannigfaltig, die der Engel einartiger als die der Dämonen, jedoch unvollkommener als die der Götter. Die Erscheinungen der Erzengel kommen denen der Götter am nächsten. Die Erscheinungen der Fürsten der Elemente unter dem Mond sind zwar mannigfaltig, aber doch einer gewissen Bestimmtheit und Ordnung nicht entbehrend; die Erscheinungen der Fürsten der Materie jedoch sind mannigfaltiger als jene; die der Seelen sind die mannigfaltigsten.

Die Erscheinungen der Götter bestrahlen das Gesicht mit einem wohlthätigen Licht; die der Erzengel sind zugleich kraftvoll und mild, lieblich die der Engel, furchtbar die der Dämonen, milder die der Heroen. Die Erscheinungen der Fürsten der Elemente betäuben, die der Fürsten der Materie sind widrig und öfter den sie Schauenden gefährlich[853]; die Erscheinungen der Seelen sind denen der Heroen ähnlich, aber schwächer.

Die Götter zeigen in ihren Erscheinungen eine gewisse Stetigkeit und Ordnung, die Erzengel dabei noch eine gewisse Kraft, die Engel Anmut und Ruhe mit einiger Beweglichkeit vereinigt; die Dämonen zeigen stürmische Bewegung und Unordnung, die Weltfürsten (Fürsten der Elemente) eine in sich ruhende Stätigkeit, die Fürsten der Materie Tumult, die der Heroen Nachgiebigkeit gegen die Bewegung, während die der Seelen noch beweglicher sind.

Die Erscheinungen der Götter sind zuweilen so groß, daß sie Sonne und Mond verhüllen, und bei ihrem Herabsteigen ruht die Erde nicht mehr fest. Wenn die Erzengel erscheinen, so werden einige Teile der Welt bewegt, und ein Licht geht als Vorläufer vor ihnen her. Kleiner und beschränkter ist die die Engel begleitende Lichterscheinung, noch kleiner stufenweise die der Fürsten der Welt und der Materie, der Heroen, der Seelen.

Die Bilder der Weltfürsten sind unermeßlich groß, die der Fürsten der Materie prahlerisch und aufgeblasen; die Bilder der Seelen sind ungleich groß, jedoch kleiner als die der Heroen. Überhaupt richtet sich die Größe und Beschaffenheit der Erscheinungen stets nach der Größe der Kräfte oder Gewalten, welche sie repräsentieren. An den Erscheinungen der Götter zeigen sich die Bilder der Wahrheit deutlich, glänzend und bestimmt ausgeprägt. Die Bilder der Erzengel sind wahr und erhaben. Die Engel behalten zwar immer die bestimmte Gestalt, welcher jedoch vollständige Bestimmtheit mangelt. Die Bilder der Dämonen sind undeutlich und noch unbestimmter die der Heroen. Die Bilder der Weltfürsten sind deutlich, die der Fürsten der Materie dunkel und verworren, beide aber gebieterisch. Die Bilder der Seelen sind schattenartig.[854]

In den Göttererscheinungen liegt die Kraft, die Seele vollkommen zu reinigen. Die Erzengel erheben die Seelen, die Engel lösen sie von den Banden der Materie, die Dämonen ziehen sie in das Naturgetriebe herab, die Heroen verwickeln sie in Sorgen und zeitliche Dinge, die Weltfürsten verhelfen ihr zur Herrschaft über die weltlichen und die Elementarfürsten zu der über die materiellen Dinge.[855] Die erscheinenden Seelen streben zur Erzeugung und Fortbildung (also Reincarnation).