Angrômainyus wohnt mit seinem Gesetz in der ersten Finsternis und war allein ihre Mitte. Die beiden Urprinzipien, in Unendlichkeit des Guten und Bösen verschlungen und ohne Grenzen der Fortdauer, wurden sichtbar durch Vermischung. Ihre Wohnungen, des großen Ahuramazdâ erstes Lichtreich und Angrômainyus Urfinsternis, waren ebenfalls ohne Grenzen. Sie lebten einsam in der Mitte dieser Abgründe, und einer näherte sich dem andern. Ein jedes dieser Wesen war durch seine Hülle begrenzt. – Angrômainyus weiß alles, wie Ahuramazdâ, und beide haben alles, was ist, geschaffen. Ahuramazdâ ist ohne Grenzen, denn er durchschaut die Schranken der Macht beider in Unendlichkeit verschlungenen Wesen. Angrômainyus ist Sklave und König.

Ahuramazdâs Volk wird bis zur Auferstehung der Toten endlos dauern, ewig wie der Lauf der Wesen.

Die Genossen des Angrômainyus werden, wenn dereinst die Toten neu belebt sind, schwinden. Er selbst wird ohne Ende sein.

Ahuramazdâ kannte durch seine ihm von der unbegrenzten Zeit gegebene allumfassende Wissenschaft das listige Unterfangen der argen Wünsche des Angrômainyus, wie er bis an das Ende der Dinge seine Werke mit den Werken des guten Wesens vermischen dürfe, und wie seine Macht sich endigen werde.

Darauf sprach Ahuramazdâ: Ich muß durch meine Macht das Volk des Himmels schaffen. Da schuf er in dreitausend Jahren den Himmel und sein Volk. Und Angrômainyus, fort und fort auf Böses sinnend zum Widerstand des Guten, war unbekümmert um das, was vorging. Angrômainyus wußte nicht, was Ahuramazdâ wußte.

Endlich erhob sich der Grundarge und näherte sich dem Licht. Wie er nun Ahuramazdâs Licht erblickte, wollte er, dem nie Gutes in den Sinn kommt, der nichts denkt, als wie er als Druscht alles schlagen und zerstören mag, er wollte das Licht verschlingen. Aber durch dessen Schönheit, Glanz, Erhabenheit geblendet, stürzte er von selbst in seine vorige dicke Finsternis zurück und zeugte ein großes Heer von Dews und Druschts zur Plage der Welt.

Ahuramazdâ, der alles weiß, erhob sich, sah Angrômainyus Volk, sein gräßlich-schreckliches Volk; sein Hauch war Fäulnis, Bosheit und der Schöpfung unwert. Angrômainyus erblickte das Volk Ahuramazdâs, das Volk in Scharen, das Volk in Herrlichkeit, über welches der in Ewigkeit verschlungene den Schöpfungsrat fassen mußte, das der Schöpfung wert war und welches Ahuramazdâ für würdig erklärt hatte.

Ahuramazdâ indessen, welcher wußte, daß zuletzt Angrômainyus Werk doch ein Ende nehmen müsse, bot ihm Friede und sprach: O Angrômainyus, hilf der Welt, die ich geschaffen habe, ehre sie, und deine Schöpfung soll unsterblich sein, nicht altern, sich nicht zerrütten und nie Mangel haben.

Angrômainyus, der Lügenvater, schuf Akuman, den ersten der Dews und Widersacher Bahmans.