Ich wende mich zuerst zu den neuplatonischen Bearbeitungen samt ihren Kommentaren. Der erste Commentator der Orakel ist der oben genannte Psellos, der zweite ist der als Rat des Manuel und Theodor Paläologos und berühmter Philosoph der Renaissance bekannte, wahrscheinlich 1452 gestorbene Georgios Gemistios Plethon, der dritte, aber der hier beobachteten Reihenfolge nach der erste, ist ungenannt. Ich vermute in diesem unbekannten Kommentator einen gewissen Johannes Opsopoeus, welcher diese mystischen Fragmente mit den Kommentaren des Psellos und Plethon unter dem Titel herausgab: Oracula magica Zoroastris cum scholiis unter Plethonis et Pselli nunc primum edita, e bibliotheca regia stud. Joh. Opsopoei, Graec. et Lat. Paris. 1607. 8°. Beigebunden sind noch die sogenannten metrischen Orakel des Jupiter, Apollo, Serapis und der Hekate, sowie die von Joseph Scaliger besorgte Ausgabe der Oneirokritik des Astrampsychus.

Opsopoeus schickt seiner Zusammenstellung der drei verschiedenen Redaktionen der zoroastrischen Fragmente eine Sammlung von Stellen aus Platos „Alcibiades“, aus Plutarchs „Isis und Osiris“, „Über den Verfall der Orakel“, aus Plinius „Naturgeschichte“, aus Suidas Ammianus Marcellinus, Clemens von Alexandria und Eusebius über die Person &c. Zoroasters voraus, welche wir hier übergehen können. Darauf läßt er die erste Fassung der „Orakel“ mit dem Kommentar des Ungenannten, alsdann die Fassung und den Kommentar des Psellos folgen. An denselben giebt er eine kurze Erläuterung der chaldäischen[223] Religionslehren durch Psellos, aus welcher ich nur herausheben will, daß Psellos sagt:

„Die Chaldäer nehmen sieben Welten an, eine feurige, drei ätherische und drei materielle, deren letzte die unter dem Mond befindliche irdische ist.“

Weiterhin sagt Psellos noch, daß nach chaldäischer Lehre die Seelen sich nach dem Tode nach Maßgabe ihres Läuterungsbedürfnisses zerstreuten und sich in teilbare und unteilbare Naturen absonderten. Das Übrige dieses Abschnittes über die chaldäischen Lehren enthält nichts als bekannte exoterische Äußerlichkeiten. Den Schluß des Buches von Opsopoeus bilden die zoroastrischen Orakel in der Fassung, wie sie Plethon kannte, mit dem Kommentar des selben. – Am meisten gleichen sich die erste Fassung der Orakel und die des Plethon; die Fassung des Psellos weicht erheblich ab.

Ich gebe nun eine vergleichende Zusammenstellung der Orakel sowohl als der Kommentare.

Der erste Aphorismus in der ersten Fassung lautet:

„Erforsche den Weg der Seele, woher sie komme und weshalb sie dem Leib dienen müsse. Trachte dahin, daß du sie an den Ort zurückbringst, von dem sie ausgegangen ist.“

Dieser Aphorismus fehlt bei Psellos und lautet in dieser Fassung des Plethon:

„Erforsche die Reihenstufe, auf welcher deine Seele steht, welchen Rang sie vor ihrer Verbindung eingenommen; mittelst magischer Worte und Gebräuche wirst du sie zu ihrer früheren Würde wieder aufrichten.“