Dr. E.: Gut so, Fritz. Jetzt ist das ganze Verfahren leicht erklärt. In der Nähe der Salzquelle werden große Wände von Reisig aufgeschichtet, und über diese läßt man die Sole langsam von Zweig zu Zweig herabrieseln. Mit großer Geschwindigkeit verdampft ein Teil des Wassers, und wenn man das Herabrieseln ein paarmal wiederholt hat, so ist der Salzgehalt verhältnismäßig so viel größer geworden, daß die Sole „sudwürdig“ ist, d. h., daß man sie nun in Pfannen über Feuer weiter verdampfen kann.

Fritz: Ach, solche Reisigwände haben wir schon mal von der Eisenbahn aus gesehen, als wir im vorigen Jahre in Thüringen waren. Du sagtest damals noch, das wären Gradierwerke; aber ich konnte nicht weiter danach fragen, weil du gerade mit einem fremden Herrn im Gespräch warst.

Dr. E.: In der Tat führen die Reisigwände mit den zugehörigen Pumpen den Namen Gradierwerke, weil dadurch ein höherer Grad von Salz in der Sole erreicht wird. Man sagt auch wohl, die Sole wird durch dieses Überrieseln des Reisigs „gradiert“. Immerhin ist die Menge Salz, die in den Gradierwerken gewonnen wird, gering gegen diejenige aus den Steinsalzbergwerken.

Verwendung des Salzes

Hans: Brauchen denn die Menschen so furchtbar viel Salz zum Essen?

Dr. E.: Nicht bloß zum Essen, Hans. Salz ist auch sonst einer der wichtigsten und unentbehrlichsten Stoffe für alle möglichen Gewerbsbetriebe. Daß es zum Konservieren des Fleisches und der Fische dient, weißt du ja schon, denn du hast mir vorhin selbst von den gesalzenen Heringen erzählt. Sodann wird es gebraucht zur Herstellung der Salzsäure, der Soda, des Chlors, des Salmiaks, bei der Seifenfabrikation, in der Gerberei, beim Glasieren der Tongeschirre, zum Düngen und zu vielen andern Zwecken.

Kurt: Ist es denn wirklich zum Essen notwendig? Ich dachte, der Mensch brauche nur Nahrung aus dem Tier- und Pflanzenreich und keine Mineralien.

Dr. E.: Das ist ein Irrtum. Das Kochsalz spielt im Körper eine sehr große Rolle; es bildet einen wichtigen Bestandteil unseres Blutes und liefert z. B. im Magen die für die Verdauung so wichtige Salzsäure. Auch der Schweiß und die Tränen schmecken bekanntlich deutlich salzig. Personen, denen man das Salz entzieht, werden bleichsüchtig und gehen schließlich zugrunde. Übrigens wißt ihr ja selbst, wie nüchtern und fade uns sehr bald die Speisen vorkommen, die nicht genügend von dieser Würze enthalten.

Fritz: Dann wundert’s mich, daß die Tiere so ganz ohne Salz auskommen können. Die finden doch keins in der Natur, wenn sie nicht gerade an eine Salzquelle kommen.

Dr. E.: Freilich, Bergwerke und Salzgärten können sie sich nicht machen. Da aber die Pflanzen aus dem Erdboden Salz aufnehmen, das dann wieder mit der Pflanzennahrung in die Tiere übergeht, so ist klar, daß kein Tier ganz ohne Kochsalz zu leben braucht. Bei den Raubtieren scheint die Menge völlig zu genügen, welche sie mit dem Fleisch und namentlich mit dem gierig getrunkenen Blut ihrer Opfer in sich aufnehmen; bei den Pflanzenfressern jedoch zeigt sich in der Tat häufig ein sogenannter Salzhunger, und der Landmann macht daher seinen Kühen und Schafen durch Verabreichung von Salz eine ganz besondere Freude.