Dr. E.: Das ist nicht so leicht zu sagen; auch gehen beide Arten fast unmerklich ineinander über. Braunkohle ist nämlich durchaus nicht immer braun, ebensowenig wie Steinkohle immer steinartig zu sein braucht. Im allgemeinen kann man behaupten, daß die Braunkohle jünger und in ihrer Umwandlung noch nicht soweit vorgeschritten ist wie die Steinkohle. Sie hat daher im Verhältnis noch viel mehr Wasserstoff und Sauerstoff aus der ursprünglichen Zellulose zurückbehalten als die Steinkohle, bei welcher diese Elemente schon weit mehr als gasförmige oder flüssige Verbindungen des Kohlenstoffs entwichen sind. Die Braunkohle brennt infolgedessen mit rußender Flamme und unangenehmem Geruch, während die Steinkohle mit heller Flamme und weniger unangenehmem Geruch verbrennt. Bei der Braunkohle bestehen nur 55-75 Prozent des Gewichts aus reinem Kohlenstoff, bei der Steinkohle hingegen 75-90 Prozent, da, wie gesagt, die beiden andern Bestandteile der Zellulose zum großen Teile sich schon verflüchtigt haben.
Fritz: Sind denn diese gasförmigen und flüssigen Zersetzungsstoffe durch die darüber liegenden Erdschichten einfach in die Luft gegangen?
Dr. E.: Soweit sie durch konnten, jedenfalls; ein Teil aber steckt noch jetzt in den Kohlenlagern. Das Gas ist der Hauptsache nach dasselbe, was wir vorhin als Sumpfgas im Moder der Gräben kennenlernten, und das ihr einfangen solltet. Es ist dem Bergmann leider nur zu wohl bekannt als sogenanntes Grubengas, das, mit Luft gemischt, die furchtbaren schlagenden Wetter in den Kohlengruben verursacht. Hunderte und Tausende braver Bergleute sind diesen schrecklichen, durch irgendeine Unvorsichtigkeit hervorgerufenen Explosionen schon zum Opfer gefallen. Als flüssiges Zersetzungsprodukt der Steinkohlen aber könnte man vielleicht das Erdöl oder Petroleum ansehen, eine Ansicht, die allerdings von anderer Seite bestritten wird.
Fritz: Hat denn nun die Hitze des Erdinnern gar nichts mit der Kohlenbildung zu tun gehabt?
Dr. E.: Eine gewisse Temperaturerhöhung kommt zweifellos dabei mit in Frage. Diese ist aber schon durch den gewaltigen Druck gegeben, welchen die darüber lagernden Erdschichten ausübten. Die allerältesten Kohlen, die wir kennen, dürften am stärksten von höheren Temperaturen beeinflußt sein, denn sie sind fast zu Koks geworden und liefern keine gasförmigen Stoffe mehr. Es ist dies der Anthrazit, der sich auch überall da gebildet hat, wo Stein- oder Braunkohlen mit glutflüssigen Gesteinsmassen, die aus dem Erdinnern empordrangen, in zu nahe Berührung gekommen sind.
Kurt: Gibt es denn sonst weiter keinen Kohlenstoff auf der Erde, als den in den Kohlen?
Dr. E.: O ja! Eine Sorte benutzt du wahrscheinlich täglich bei deinen Schularbeiten, und die andere Sorte — nun, Fritz?
Fritz: Die andere Sorte hat Mutter in ihrem Ring und der Glaser braucht sie zum Glasschneiden.
Dr. E.: So, Kurt, nun rate! — Wenn du mal nach Südafrika kommst, kannst du uns vielleicht ein paar Säcke voll von dieser besonderen Sorte Kohlenstoff mitbringen.