»Das ist sehr gut. Bist du stark?«
»Korkulu – fürchterlich, arslandscha – wie ein Löwe! Soll ich es dir beweisen?«
»Nein, Effendi.«
»Und doch, denn deine Neugierde ist größer als die Geduld eines Menschen sein kann. Packe dich und komme nicht wieder!«
Ich faßte ihn, drehte ihn in die passende Richtung und gab ihm einen Stoß, daß er weit über das Deck hin schoß und dann dasselbe mit seinem Bauche begrüßte. Aber im Nu war er wieder auf.
»Wai sana – wehe dir, du hast einen Gläubigen beleidigt; du mußt sterben!«
Er riß seinen Handschar heraus und stürzte auf mich zu. Sein Begleiter folgte ihm mit gezückter Waffe. Schnell zog ich Halef die harte Nilpeitsche aus dem Gürtel, um mit derselben die Angreifer zu salutieren; aber es sollte gar nicht so weit kommen, denn in diesem Augenblick öffnete sich die Thür des Verschlages, und es erschien eine der Frauen. Sie erhob stumm die Hand und zog sich dann zurück. Die beiden Araber hemmten ihre Schritte und gingen lautlos beiseite; aber ihre Blicke sagten mir, daß ich von ihnen nichts Gutes zu erwarten habe.
Die Türken hatten dem Vorgang mit großem Gleichmute zugesehen. Wäre auf dem Schiffe jemand getötet worden, so hätte es ja sein Kismet[50] nicht anders mit sich gebracht.
[50] Schicksal, Vorausbestimmung.
Was mich betrifft, so hatten mich die unnützen Fragen dieses Menschen sehr in Harnisch gebracht. Aber, waren sie wirklich so unnütz? Hatten sie nicht vielleicht einen verborgenen Zweck? Der Orientale ist kein Schwätzer, am allerwenigsten aber verliert er seine Worte an einen Unbekannten, von dem er sogar nur das weiß, daß er ein Giaur ist.