»Willst du ein Dieb werden? Nein!«
»Ich? Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawud al Gossarah ein Dieb? Sihdi, das sollte mir ein anderer sagen! Hast du mir nicht selbst befohlen, dem Manne, der unten in der Kammer liegt, die Waffen wegzunehmen? Hast du mir nicht befohlen, in diese Decken zu greifen?«
»Das ist kein Diebstahl. Wir sind durch die Räuber um unsere Decken und um deine Waffen gekommen und haben also das Recht, uns zu entschädigen. Unser Geld aber haben wir noch.«
»Nein, Sihdi; das meinige haben sie genommen.«
»Hattest du viel?«
»Hattest du mir nicht alle zwei Wochen drei Maria-Theresien-Thaler gegeben? Ich hatte sie alle noch; nun sind sie weg, und ich werde mir nehmen, was mir gehört.«
Er trat an den Kasten. Sollte ich ihn hindern? In gewisser Beziehung hatte er recht. Wir befanden uns in Umständen, unter denen wir uns unser Recht selbst zu wahren hatten. Wo konnten wir Abu Seïf auf Rückgabe des geraubten Geldes verklagen? Ich mußte zu sehr sparen, als daß ich meinem Diener das Geraubte aus meiner Tasche hätte ersetzen können, und überdies hätte ein weiterer Streit mit Halef uns nur aufgehalten oder gar in Gefahr gebracht; ich begnügte mich also mit dem Einwande: »Der Sandyk wird verschlossen sein.«
Er trat hinzu, visitierte und sagte dann:
»Ja, es ist ein Schloß daran, und der Schlüssel fehlt, aber ich werde dennoch öffnen.«
»Nein, das wirst du nicht! Wenn du das Schloß aufsprengst, so giebt es einen Krach, der uns verrät!«