Er erhob sich, setzte den Fuß auf den Regeling und stand im nächsten Augenblick drüben am Ufer. Ich folgte ihm sofort.
»Hamdulillah, Gott sei Dank! Jetzt sind wir frei. Aber was nun?« fragte Halef.
»Wir gehen nach Dschidda.«
»Weißt du den Weg?«
»Nein.«
»Oder hast du eine Harjta[65], welche dir den Weg zeigt?«
[65] Landkarte.
»Auch nicht; aber wir brauchen uns nur nach Süden zu halten. Abu Seïf hat zu Fuß hinwandern müssen; das ist ein sicheres Zeichen, daß die Stadt nicht sehr weit von hier liegt. Laß uns vor allen Dingen erst nach den Waffen sehen.«
Wir zogen uns hinter ein nahes Euphorbiengesträuch zurück, welches uns genügend verbarg, denn es war nicht die kleine arabische, sondern die hohe ostindische Art. Meine Gewehre waren geladen; man hatte jedenfalls mit dem Revolver und dem Henrystutzen nicht umzugehen verstanden und sich über den schweren Bärentöter höchlichst wundern müssen. Der Araber ist ein langes, leichtes Gewehr gewohnt, und es giebt ganze Stämme, welche noch mit Flinten der ältesten, seltsamsten Konstruktionen bewaffnet sind.
Nachdem wir uns überzeugt hatten, daß unsere Flucht nicht bemerkt worden war, machten wir uns auf den unbekannten Weg. Wir mußten, so viel wie möglich, der Küste folgen, und diese hatte zahlreiche größere oder kleinere Einbuchtungen, welche zu umgehen waren, so daß wir nur langsam vorwärts kamen. Dazu war der Boden trotz der Nähe des Meeres sehr dicht mit Koloquinthen und Aloën bewachsen, welche das Gehen außerordentlich beschwerlich machten. Endlich graute der Tag, und der Marsch ging leichter und schneller vor sich. Man konnte in die Ferne blicken und unterscheiden, welche Richtung man einzuschlagen hatte, um eine Krümmung der Küste abzuschneiden, und es war vielleicht vormittags acht Uhr, als wir die Minareh[66] einer Stadt vor uns erblickten, welche mit einer hohen, ziemlich gut erhaltenen Mauer umgeben war.