»Sihdi, komm und folge mir!«
»Wohin?«
»Bist du ein Schwätzer, oder fürchtest du dich vor einem Weibe?«
»Pah! Vorwärts!«
Sie wandte ihr Kamel und ritt auf derselben Spur zurück, welche die Füße des Tieres vorher im Sande zurückgelassen hatten. Ich hielt mich an ihrer Seite, und die andern beiden blieben hinter uns.
»Nun,« fragte ich zu Albani zurück, »hatte ich nicht recht mit dem Abenteuer, welches ich Ihnen vorhersagte?«
Albani sang statt der Antwort:
»Dös Dirndel ist sauba
Vom Fuaß bis zum Kopf,
Nur am Hals hat’s a Binkerl,
Dös hoaßt ma an Kropf.«
Das Weib war allerdings nicht mehr jugendlich, und die Strahlen der Wüstensonne, sowie die Strapazen und Entbehrungen hatten ihr Angesicht gebräunt und demselben bereits Furchen eingegraben; aber einst war sie gewiß nicht häßlich gewesen, das sah man ihr heute noch sehr deutlich an. Was führte sie so ganz allein in die Wüste? Warum hatte sie den Weg nach Dschidda eingeschlagen und kehrte nun mit uns zurück? Warum war sie sichtlich erfreut gewesen, als sie hörte, daß Halef nach Mekka gehen wolle, und warum sagte sie nicht, wohin sie uns führen werde? – Sie war mir ein Rätsel. Sie trug eine Flinte und an ihrem Gürtel einen Yatagan; ja, in den Sattelriemen des Kameles hatte sie sogar einen jener Wurfspieße stecken, welche in der Hand eines gewandten Arabers so gefährlich sind. Sie machte ganz den Eindruck einer selbständigen, furchtlosen Amazone, und dieses letztere Wort war ganz am Platze, da solche kriegerische Frauen in manchen Gegenden des Orients öfter zu sehen sind, als im Abendlande, wo dem Weibe doch eine freiere Stellung gewährt ist.
»Was ist das für eine Sprache?« fragte sie, als sie die Antwort Albanis hörte.