Oberhalb unserer Landestelle mündete der Zab-asfal in den Tigris, und die Ufer hüben und drüben waren mit einem dichten Bambusdschungel bestanden. Wie schon vorhin gesagt, brach die Nacht herein; trotzdem aber bestand Lindsay darauf, an das Land zu gehen und die Zelte aufzuschlagen. Ich hatte keine rechte Lust dazu, konnte ihn aber nicht gut allein lassen und folgte ihm also. Die Bemannung des Dampfbootes bestand aus vier Leuten; es sollte mit Tagesanbruch bereits nach Bagdad zurückkehren, und so faßte der Engländer gegen meinen Rat den Entschluß, alles, auch die vier Pferde, welche er in Bagdad gekauft hatte, noch auszuladen.

»Es wäre besser, wenn wir dies unterließen, Sir,« warnte ich ihn.

»Warum?«

»Weil wir es morgen bei Tageslicht thun könnten.«

»Geht auch am Abend – bezahle gut!«

»Wir und die Pferde sind auf dem Fahrzeuge sicherer als auf dem Lande.«

»Giebt es hier Diebe – Räuber – Mörder?«

»Den Arabern ist niemals zu trauen. Wir sind noch nicht eingerichtet!«

»Werden ihnen nicht trauen, uns aber doch einrichten – haben Büchsen; jeder Spitzbube wird niedergeschossen!«

Er ging nicht von seinem Vorsatze ab. Erst nach zwei Stunden waren wir mit der Arbeit fertig; die zwei Zelte waren aufgerichtet, und zwischen ihnen und dem Ufer wurden die Pferde angehängt. Nach dem Abendbrote gingen wir schlafen. Ich hatte die erste, die beiden Diener die zweite und dritte und Lindsay selbst die vierte Wache. Die Nacht war wunderschön. Vor uns rauschten die Fluten des breiten Stromes hinab, und hinter uns erhoben sich die Höhen des Dschebel Dschehennem. Die Helle des Firmaments erleuchtete alles zur Genüge, aber das Land selbst, auf dem ich stand, war noch ein Rätsel. Seine Vergangenheit glich den Fluten des Tigris, die dort unten verschwanden im Schatten des Dschungel. An Assyrien, Babylonien und Chaldäa knüpfen sich die Erinnerungen an große Nationen und riesige Städte, aber diese Erinnerungen gleichen dem Rückblick auf einen Traum, dessen Einzelheiten man vergessen hat.