»Ganz richtig. Aber die Haddedihn sind elfhundert, die Feinde aber dreitausend Krieger. Sie hätten gesiegt, wären als Sieger zurückgekehrt und euch nachgejagt, um euch mit dem Raube auch eure jetzige Habe wegzunehmen. Wenn ich unrecht habe, so sagt es.«
»Du hast recht. Wir dachten, die Haddedihn würden durch andere Stämme der Schammar verstärkt werden.«
»Diese Stämme werden vom Gouverneur von Mossul angegriffen.«
»Was rätst du uns? Würde es nicht am besten sein, die Feinde einzeln zu vernichten?«
»Ihr würdet einen Stamm besiegen, und die andern beiden aufmerksam machen. Sie müssen kurz nach ihrer Vereinigung, also bei dem Wirbel El Kelab angegriffen werden. Wenn es euch recht ist, wird Mohammed Emin am dritten Tage nach dem Jaum el Dschema mit seinen Kriegern von den Kanuzabergen herabsteigen und sich auf die Feinde werfen, während ihr sie von Süden angreift und sie somit in den Strudel Kelab getrieben werden.«
Dieser Plan wurde nach längerer Beratung angenommen und dann noch auf das Eingehendste besprochen. Darüber war ein großer Teil des Nachmittags vergangen und der Abend rückte heran, so daß ich mich veranlaßt sah, für die Nacht noch zu bleiben. Am andern Morgen aber wurde ich beizeiten wieder an das Ufer gesetzt und ritt denselben Weg zurück, den ich gekommen war.
Meine Aufgabe, die ein so schwieriges Aussehen gehabt hatte, war auf eine so leichte und einfache Weise gelöst worden, daß ich mich fast schämen mußte, es zu erzählen. Der Rappe durfte nicht so billig verdient werden. Was konnte ich aber noch thun? Ja, war es nicht vielleicht besser, den Kampfplatz vorher ein wenig zu studieren? Diesen Gedanken wurde ich nicht wieder los. Ich setzte also gar nicht über den Thathar zurück, sondern ritt an seinem linken Ufer nach Norden hinauf, um die Kanuzaberge zu erreichen. Erst als der Nachmittag beinahe zur Hälfte verflossen war, kam mir der Gedanke, ob nicht das Wadi Dschehennem, wo ich mit dem Engländer die Pferdediebe getroffen hatte, ein Teil dieser Kanuzaberge sei. Ich wußte diese Frage nicht zu beantworten, setzte meinen Weg fort und hielt mich später mehr nach rechts, um in die Nähe des Dschebel Hamrin zu kommen.
Die Sonne war beinahe bis zum Horizont niedergesunken, als ich zwei Reiter bemerkte, welche am westlichen Gesichtskreise erschienen und mit großer Schnelligkeit näher kamen. Als sie mich sahen, hielten sie einen Augenblick an, kamen aber dann auf mich zu. Sollte ich fliehen? Vor zweien? Nein! Ich parierte also mein Pferd und erwartete sie.
Es waren zwei Männer, welche in dem rüstigsten Alter standen. Sie hielten vor mir an.
»Wer bist du?« fragte der eine mit einem lüsternen Blick auf den Rappen.