Dann richtete ich das Rohr nach Süden.

Dort lag Zelt an Zelt, aber ich sah, daß man bereits im Begriffe stand, sie abzubrechen. Das waren die Abu Hammed und die Dschowari. Dort hatten wohl auch die Scharen von Sardanapal, Kyaxares und Alyattes kampiert. Dort hatten die Krieger des Nabopolassar auf den Knieen gelegen, als am 5. Mai im fünften Jahre jenes Herrschers eine Mondfinsternis der totalen Sonnenfinsternis folgte, welche die Schlacht von Halys so schrecklich machte. Dort hatte man wohl die Pferde aus den Fluten des Tigris getränkt, als Nebukadnezar nach Ägypten zog, um Königin Hophra abzusetzen, und das waren wohl dieselben Wasser, über welche der Todesgesang des Nerikolassar und des Nabonnad herübergeklungen ist bis zu den Bergen von Kara Zschook, Zibar und Sar Hasana.

Ich sah, daß die Ziegenhäute aufgeblasen und verbunden wurden, sah die Reiter, welche, die Pferde an der Hand führend, sich auf die Flöße begaben; ich sah die Flöße abstoßen und am diesseitigen Ufer landen. Es war mir, als müsse ich das Geschrei hören, mit welchem sie von ihren Verbündeten begrüßt wurden, die sich auf ihre Pferde warfen, um eine glänzende Phantasia[158] auszuführen.

[158] Scheingefecht.

Das kam erwünscht, daß sie ihre Pferde jetzt so anstrengten; die Tiere mußten dann, wenn es galt, wohl ermüdet sein.

So saß ich wohl eine Stunde lang. Die Obeïde waren jetzt alle herüber, und ich sah, daß sich der Zug nach Norden zu in Bewegung setzte. Jetzt kletterte ich wieder herab, bestieg mein Pferd und kehrte zurück. Die Stunde der Entscheidung war gekommen.

Ich brauchte wieder fast eine Stunde, um den Punkt zu erreichen, von dem es mir möglich war, von der Höhe hinabzukommen. Schon wollte ich zu Thale lenken, als ich ganz dort oben am nördlichen Horizont etwas blitzen sah. Es war gewesen, als ob der Sonnenstrahl auf ein Glasstückchen fiele. Wir konnten den Feind nur von Süden her erwarten, dennoch aber nahm ich mein Fernrohr zur Hand und suchte die Stelle auf, an welcher ich den blitzartigen Schein bemerkt hatte. Endlich, endlich fand ich sie. Hart am Flusse bemerkte ich eine Anzahl dunkler Punkte, welche sich abwärts bewegten. Es mußten Reiter sein, und einer von ihnen war es, dessen Körper das Licht der Sonne reflektierte.

Waren es Feinde? Sie befanden sich nördlich grad so weit von dem Verstecke meiner Leute, wie ich südlich von demselben entfernt war. Hier galt kein Zögern; ich mußte ihnen zuvorkommen.

Ich trieb meinen Rappen an, der rasch abwärts stieg, dann aber, als er die Thalsohle unter den Hufen hatte, wie ein Vogel dahinflog. Ich war überzeugt, daß ich zur rechten Zeit eintreffen würde.

Als ich bei der Truppe anlangte, rief ich die Leute zusammen und teilte ihnen mit, was ich beobachtet hatte. Wir schafften die Pferde aus dem Halbkessel heraus, den das Terrain bildete. Dann versteckte sich die Hälfte der Haddedihn hinter dem südlichen Vorsprunge desselben, während der andere Teil zurückblieb, um – hinter Euphorbien und Gummipflanzen verborgen, den Ankommenden den Rückzug abzuschneiden.