»Sie dir, denn du bist nicht ein Diener, sondern Hadschi Halef Omar Agha, mein Begleiter und Beschützer.«
»Das ist gut, und ich sage dir, daß sie mich kennen lernen sollen, wenn es ihnen einfällt, mir die Achtung zu verweigern!«
Der Gouverneur hielt Wort. Als Halef am nächsten Morgen mit dem Grauen des Tages sich erhob und den Kopf zur Thüre hinausstreckte, wurde er von zehn Männern begrüßt, welche zu Pferde vor derselben hielten. Er weckte mich sofort, und ich beeilte mich natürlich, meine Herren Beschützer in Augenschein zu nehmen.
Es waren, wie der Pascha versprochen hatte, fünf Arnauten und fünf Baschi-Bozuks. Letztere trugen die gewöhnliche Kleidung des türkischen Militärs. Die Arnauten hatten purpurne Sammetoberwesten, grüne, mit Sammet besetzte Unterwesten, breite Schärpen, rote Beinkleider mit metallenen Schienen, rote Turbans und trugen so viele Waffen an sich, daß man mit ihren Messern und Pistolen eine dreimal zahlreichere Schar hätte bewaffnen können. Die Baschi-Bozuks wurden von einem alten Buluk Emini[185] und die Arnauten von einem wild blickenden Onbaschi[186] kommandiert.
[185] Fourier oder Schreiber einer Compagnie.
[186] Befehlshaber von zehn Mann.
Der Buluk Emini schien ein Original zu sein. Er ritt kein Pferd, sondern einen Esel, und trug das Zeichen seiner Würde – ein ungeheures Tintenfaß – an einem Riemen um den Hals. In seinem Turban staken einige Dutzend Schreibfedern. Er war ein kleines, dickes Männchen, dem die Nase fehlte; desto größer aber war der Schnurrbart, der ihm an der Oberlippe herabhing. Seine Wangen sahen fast blau aus und waren so fleischig, daß die Haut kaum zuzulangen schien, und für die Augen blieb nur so viel Raum zum Öffnen übrig, als notwendig war, einen kleinen Lichtstrahl in das Gehirn des Mannes gelangen zu lassen.
Ich gab Halef eine Flasche voll Raki und befahl ihm, diese tapferen Helden damit zu begrüßen. Er trat hinaus zu ihnen, und ich stellte mich so, daß ich den Vorgang beobachten konnte.
»Sabahiniz chajir – guten Morgen, ihr wackeren Streiter! Seid uns willkommen!«
»Sabahiniz chajir – guten Morgen!« erwiderten alle zugleich.