»Ein Scheik.«

»Wo kommt er her?«

»Wir haben ihn gefunden. Er ist ein Freund meines Sihdi und wird jetzt bei uns bleiben.«

»Wer tschok Bakschischler – giebt er viele Trinkgelder?«

»Bu kadar – so viel!« meinte Halef, indem er alle zehn Finger emporstreckte.

Das war dem guten Buluk Emini genug, wie ich seiner vor Zufriedenheit strahlenden Miene anmerkte. Jetzt öffnete sich die Thüre, und der Dorfälteste kehrte zurück. Hinter ihm erschien ein junger Mann von sehr schöner Gestalt. Er war hoch und schlank gewachsen, hatte regelmäßige Gesichtszüge und ein Paar Augen, deren Feuer überraschend war. Er trug eine fein gestickte Hose, ein reiches Jäckchen und einen Turban, unter welchem eine Fülle der prächtigsten Locken hervorquoll. In seinem Gürtel befand sich nur ein Messer, dessen Griff von sehr kunstvoller Arbeit war.

»Chosch geldin demek – seid willkommen!« sagte er, indem er zunächst mir, dann dem Scheik und endlich auch Halef die Hand reichte. Den Baschi-Bozuk aber schien er gar nicht zu bemerken.

»Mazal bujurum sultanum – vergib mir, Herr, daß ich dein Haus betrete,« antwortete ich. »Der Abend ist nahe, und ich wollte dich fragen, ob es in deinem Gebiete eine Stelle giebt, an welcher wir unser Haupt zur Ruhe legen können.«

Er betrachtete mich sehr aufmerksam von dem Kopfe bis herab zu den Füßen und erwiderte dann:

»Man soll den Wanderer nicht fragen, woher und wohin. Aber mein Kiajah sagte mir, daß du ein Emir seist.«