Hier badete ich und wechselte die Wäsche, eine Prozedur, welche man auf Reisen im Oriente nicht gar zu häufig vornehmen kann. Daher fühlte ich mich wie neugeboren und wollte bereits den Ort verlassen, als ich eine leise Bewegung des Gebüsches bemerkte, welches sich an den Ufern des Baches hinzog. War es ein Tier oder ein Mensch? Wir standen auf dem Kriegsfuße, und so konnte es nichts schaden, wenn ich die Sache einmal näher untersuchte. Ich that daher vollständig unbefangen, pflückte einige Blumen und näherte mich dabei scheinbar absichtslos dem Orte, an dem ich die erwähnte Bewegung bemerkt hatte. Dabei kehrte ich dem Busche den Rücken zu; plötzlich aber drehte ich mich um und stand mit einem schnellen Sprunge mitten im dichten Zweigwerk. Vor mir kauerte ein Mann, er sah noch jung aus, hatte aber beinahe einen militärischen Anstrich, obgleich ich nur ein Messer als einzige Waffe bei ihm bemerkte. Eine breite Narbe zog sich über seine rechte Wange. Er erhob sich und wollte sich rasch zurückziehen, ich aber faßte seine Hand und hielt ihn fest.
»Was thust du hier?« fragte ich.
»Nichts.«
»Wer bist du?«
»Ein – ein Dschesidi,« klang es zaghaft.
»Woher?«
»Ich heiße Lassa und bin ein Dassini.«
Ich hatte gehört, daß die Dassini eine der vornehmsten Familien der Dschesidi seien; er sah mir aber gar nicht aus wie ein Teufelsanbeter.
»Ich habe dich gefragt, was du hier thust?«
»Ich versteckte mich, weil ich dich nicht stören wollte.«