Noch ehe ich antwortete, erscholl der angstvolle Ruf einer Weiberstimme. Ich blickte auf und bemerkte eine kleine dicke, weibliche Gestalt, welche vom Eingange her mit möglichster Anstrengung auf uns zuge – – kugelt kam.
»Tut – halt!« rief sie mir kreischend zu. »Öldirme onu; dir benim kodscha – töte ihn nicht; er ist mein Mann!«
Also diese dicke, runde Madame, welche unter ihrer dichten Kleiderhülle mit wahrhaft schwimmähnlichen Bewegungen auf mich zusteuerte, war die gnädige Frau Statthalterin. Jedenfalls hatte sie von dem mit einem Holzgitter versehenen Frauengemache aus der interessanten Exekution zusehen wollen und zu ihrem Entsetzen bemerken müssen, daß dieselbe jetzt an ihrem Ehegatten vollzogen werden solle. Ich fragte ihr ruhig entgegen:
»Wer bist du?«
»Im kary wekilün, ich bin das Weib des Wekil,« antwortete sie.
»Ewet, dir benim awret, gül Kbillinün – ja, sie ist mein Weib, die Rose von Kbilli,« bestätigte ächzend der Statthalter.
»Wie heißt sie?«
»Demar-im Mersinah – ich heiße Mersinah,« berichtete sie.
»He, demar Mersinah – ja, sie heißt Mersinah,« ertönte das Echo aus dem Munde des Wekil.
Also sie war die »Rose von Kbilli« und hieß Mersinah, d. i. Myrte. Einem so zarten Wesen gegenüber mußte ich nachgiebig sein.