Wir können nur noch sterben.

Das ist jetzt das wahre Glück, zu erkennen, daß nichts, auch dieser Leib nicht einen Wert hat. Wir sinken in die Unsterblichkeit, in die einzige Idee, in die wahre Zeit. Wie danke ich Gott, daß ich Euch anschauen darf; Ihr meine anderen Ichs; wir ein siebenfaches Ich.

Alle Löwen, alle Kaiser, alle Henker, Richter, Soldaten, Götter und Gesetze, alle Bestechung und Lüge macht unser Tod reif; sie faulen tiefer, sie kippen unter den Stößen unserer letzten Atemzüge. Wir sterben nicht irgendeinen Tod wie ein Krug zerbricht, weil ihn die Magd von der Bank stieß.

Unser Tod erhellt das wahre Leben über alles Sein. Wir werden in den Herzen derer, die zurückbleiben, auferstehen, in den Herzen der Freunde wie der Feinde. Die Schwankenden werden fest in Mut und Feuer, die Spötter verstummen, die Zweifler glauben.

Hätten wir in Frieden den Glauben an den Geist und den göttlichen Sohn des Menschen wirken können, wären wir vielleicht eingeschlafen und zum Haufen geworfen, wo alles Unkraut in der Grube dorrt.

Jetzt aber ist Krieg, nicht gegen die Trakier, Gallier, Numider, nein, gegen den Geist, gegen die Liebe, gegen uns, die Menschen. So voll war ich der Liebe zur Menschheit, zu den Armen, Unterdrückten und Verblendeten, daß es begeistert aus mir schrie, als mich der Richter fragte, ob ich Christ sei.

Die Stimme der Welt, die Erinnerung an Weib und Kind, Haus, Geld und Leben erblindete, verstummte in mir: gleichgültig alles vor dem Tode für die Idee der Liebe. Ich weiß, daß sie von meinem Tod erst recht leben wird. Sie ist über uns eine starke Kraft, in sie flieht unser schwaches Leben, sie lebt von unserem Glauben, bis sie Übermacht hat über die Tyrannen, die Welt, die Trägheit der Herzen.

Es ist dieser Tod nicht ein Ende, vielmehr der Anfang. Erst durch den Tod für seine Idee, die auch die Idee aller Menschen war, lebte Christus in unseren Herzen, in aller Herzen, lebte er überhaupt.

In Einsamkeit und Fremde rang ich mit mir wie Christus um die Erkenntnis jener Liebe, die auch den letzten Hund in sich verschließt, die alle Handlung ablehnt, die nicht von jenem Geist durchwärmt getrieben wird, aus der vollen Kraft des Einzigen. An mir liegt nichts!

Am Menschen liegt nichts!