Sie zu empfangen eilten auch Die in Gunthers Lehn; 810
All seine Recken hieß er mit sich gehn.
Da ritt die Königstochter hinweg in stolzem Zug.
Die lieben Gäste grüßte sie alle freudig genug.

Mit wie hohen Ehren da empfieng man sie! 811
Sie dauchte, daß Frau Kriemhild Brunhilden nie
So wohl empfangen habe in Burgundenland.
Allen, die es sahen, war hohe Wonne bekannt.

Nun war auch Siegfried kommen mit seiner Leute Heer. 812
Da sah man die Helden sich wenden hin und her
Im Feld allenthalben mit ungezählten Scharen.
Vor Staub und Drängen konnte sich da Niemand bewahren.

Als der Wirth des Landes Siegfrieden sah 813
Und Siegmund den König, wie gütlich sprach er da:
"Nun seid mir hochwillkommen und all den Freunden mein;
Wir wollen hohen Muthes ob eurer Hofreise sein."

"Nun lohn euch Gott," sprach Siegmund, der ehrbegierge Mann. 814
"Seit mein Sohn Siegfried euch zum Freund gewann,
Rieth mir all mein Sinnen, wie ich euch möchte sehn."
Da sprach König Gunther: "Nun freut mich, daß es geschehn."

Siegfried ward empfangen, wie man das wohl gesollt, 815
Mit viel großen Ehren; ein Jeder ward ihm hold.
Des half mit Rittersitten Gernot und Geiselher;
Man bot es lieben Gästen so gütlich wohl nimmermehr.

Nun konnten sich einander die Königinnen schaun. 816
Da sah man Sättel leeren und viel der schönen Fraun
Von der Helden Händen gehoben auf das Gras:
Wer gerne Frauen diente, wie selten der da müßig saß!

Da giengen zu einander die Frauen minniglich. 817
Darüber höchlich freuten viel der Ritter sich,
Daß der Beiden Grüßen so minniglich ergieng.
Man sah da manchen Recken, der Frauendienste begieng.

Das herrliche Gesinde nahm sich bei der Hand; 818
Züchtiglich sich neigen man allerorten fand
Und minniglich sich küssen viel Frauen wohlgethan.
Das sahen gerne Gunthers und Siegfrieds Mannen mit an.

Sie säumten da nicht länger und ritten nach der Stadt. 819
Der Wirth seinen Gästen zu erweisen hat,
Daß man sie gerne sähe in der Burgunden Land.
Manches schöne Kampfspiel man vor den Jungfrauen fand.